Leben und Arbeiten in Barcelona

Hast du dich entschieden, deine Sachen zu packen und ins warmherzige Barcelona zu ziehen? Oder spielst du schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, in diese europäische Metropole auszuwandern? Wer könnte dir das übelnehmen! Die atemberaubende, modernistische Architektur dank Gaudi und Co., der ungezwungene Lebensstil, Tapas im Freien zu essen, Cava und Cocktails bis zum Morgengrauen zu schlürfen und natürlich die schönen Strände und das andauernde gute Wetter, verleihen Barcelona eine wahnsinnige Anziehungskraft. Es bietet Lebensqualität, von der viele Nordeuropäer nur so träumen.

Arbeiten in Barcelona

Der Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt in Spanien ist von starken regionalen Unterschieden geprägt. Barcelona gehört zu den reichsten Regionen Südeuropas und weist ein durchschnittliches Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von rund 30.700 € auf. Katalonien ist der ideale Ort für Shared Service Center und BPO. Es ist Vorreiter der Schaffung dieser Geschäftsmodelle und behält sich das Know-how, die Fachleute und den Geist der frühen Jahre zu Zeiten der Entstehung dieser Branche vor. Als SSC versteht sich eine Abteilung für Shared Services innerhalb eines Unternehmens, das für die Ausführung und Abwicklung spezifischer betrieblicher Aufgaben verantwortlich ist.

BPO steht für „Business Process Outsourcing“ und ist eine Ausgliederung verschiedener Geschäftsprozesse an einen externen Dienstleister. In den letzten 15 Jahren haben immer mehr multinationale Konzerne Katalonien als Basis für neue Anlagen mit zwei Arten von zentralisierten Diensten gewählt. Den ersten Teil bestimmen Abteilungen der Wertschöpfungskette einer Firma: Finanzen, IT oder Asset Management. Den zweiten Teil machen Kundendienstleistungen für internationale Kunden aus. Zu den stärksten Arbeitgebern gehört der Telekommunikationskonzern Telefónica, das Versicherungsunternehmen Mapfre und das Textilunternehmen Inditex (Zara). Gute Beschäftigungschancen haben z.B. technische und kaufmännische Handelsvertreter, IT-Experten, Ingenieure und Naturwissenschaftler.

Bewerbungen schreiben

Bewerbungsunterlagen umfassen, wie bei uns in Deutschland auch, ein Anschreiben, in dem der Wunsch zu einem Vorstellungsgespräch nicht vergessen werden sollte, und ein Lebenslauf. Dieser ist in „Persönliche Angaben“ (Datos personales), „Ausbildung“ (Estudios), „Berufserfahrung“ (Experienca Profesional), „Sprachkenntnisse“ (Idiomas), „Freizeitaktivitäten“ (Aficiones) und, soweit vorhanden in „Empfehlungsschreiben“ (Referencias) gegliedert. Zeugnisse können beim Vorstellungsgespräch vorgelegt werden. Noch besser ist es, wenn du eine spanische Referenz nachweisen kannst. Dies erhöht deine Chancen einen Job zu ergattern ungemein!

Was dich am Arbeitsplatz erwartet

Die spanische Kultur ist für Ruhe und Entspannung bekannt. Genau das spiegelt sich am Arbeitsplatz wieder! In Spanien beginnt der Arbeitstag erst gegen 9:30 bis 10 Uhr. Zwischen 13:30 Uhr und 15:30 Uhr wird oftmals eine ausgedehnte Siesta gehalten, welche tatsächlich oft zum Schlafen genutzt wird. Cafés und Restaurants sowie kleinere Geschäfte sind dann geschlossen. Größere Firmen und Konzerne haben sich jedoch an die zentraleuropäische Kultur angepasst und fassen die Mittagsruhe inzwischen kürzer. Das ist eine Erleichterung für uns Deutsche, denn der Arbeitstag endet sonst zwischen 19 und 20:00 Uhr.

Spanisches Arbeitsrecht

Als Sales Manager mit Deutschkenntnissen kannst du mit einem Bruttogehalt von etwa 2.540 € und als Sales Representative mit einem Bruttoeinkommen von durchschnittlich 1.633 € rechnen. Die Gehälter sind zwar im Vergleich zu Deutschland geringer, jedoch wird das durch niedrigere Lebenshaltungskosten, ansteckender Lebensfreude und spanischer Herzlichkeit wieder ausgeglichen. Die gesetzlich geregelte Arbeitszeit beträgt 40 Stunden die Woche. Urlaub wird mit 30 Kalendertagen berechnet. Hierbei werden Wochenende und Feiertage mit einberechnet.

  • Die gesetzlich geregelte Kündigungsfrist bei Kündigung des Arbeitgebers oder Arbeitnehmers beträgt 15 Tage
  • Eine Abfindung ist nur bei Kündigung des Arbeitgebers zu erwarten. Sie ist stark vom Kündigungsgrund abhängig.

Möglichkeiten für Networking

Networking hilft dir dabei, schneller in deiner Traumstadt anzukommen und dich wohl zu fühlen. Meetup.com ist ein großartiger Ort, erste Kontakte in Barcelona zu knüpfen. Dieses Portal informiert dich über regelmäßige Meetup-Treffen zu verschiedenen Themen. Folge deinem Hobby und lerne nebenbei Einheimische oder andere Expats kennen. Hier kannst du dich auch gezielt bei Networking oder New-in-Town Gruppen anmelden. Auch Facebook hat Gruppierungen für Expats in der Stadt, die in vielen Bereichen hilfreich sind. Durch folgende Gruppen lohnt es sich zu stöbern: „Deutsche in Barcelona“, „Barcelona für Deutsche“ oder „Barcelona Expats“.

Leben in Barcelona

Unterkunft finden

Onlineportale, wie zum Beispiel idealista.com, enalquiler.com oder für WG’s easypiso.com sind bei der Immobiliensuche sehr hilfreich. Auch Tageszeitungen wie die La Vanguardia sind mit einem gesonderten Immobilienteil ausgestattet. Es ist ebenfalls möglich direkt vor Ort durch die Straßen von beispielsweise Ciutat Vella und dem angesagten Gothischen Viertel oder durch den Stadtteil Gracia im Norden von Barcelona zu schlenkern, um sich seine Wohnung nach Lage auszusuchen. Viele Apartments sind durch „Se Vende“ (zu verkaufen) oder „Se Alquila“ (zu vermieten) mit einer Telefonnummer gekennzeichnet.

Mietpreise variieren wie bei uns auch nach Lage. Für eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Stadtkern bezahlst du im Durchschnitt 930€ oder 1.550€ für eine Vier-Zimmer-Wohnung. Daher bietet es sich hier an, mit einem oder mehreren Mitbewohnenern die Mietkosten zu teilen. Außerhalb des Zentrums bekommst du eine ruhige Wohnung für 500 bis 800€. Um ein Apartment mieten zu können, wird neben dem Ausweis und der NIE-Steuernummer auch oft nach der Nómina, dem Gehaltsnachweis, oder ersatzweise nach Kontoauszügen der letzten Monate, gefragt. Mietverträge, die auf ein Jahr begrenzt sind, können automatisch um weitere vier Jahre verlängert werden. Fünf-Jahresverträge dürfen jährlich nur um Inflationsrate bzw. gestiegene Nebenkosten angehoben werden.

Aktivitäten in Barcelona

Falls du Madrid und Barcelona gerade vergleichst: Nun, beide Städte sind großartig, aber Barcelona hat den Strand! Stell dich also schon einmal auf chillige Abende unter Einheimischen an der Platja de Nova Mar Bella nach getaner Arbeit ein. Ein weiterer Geheimtipp befindet sich in Cuitadella, wo sich professionelle Beachvolleyballer heiße Battles liefern. Diese besondere Art nennt sich Ta-ka-tá und ist eine rasante Mischung aus Volleyball und Tennis. Zudem ist Rent-a-bike eine großartige Alternative, um Barcelona mit dem Fahrrad fernab von Touristenansammlungen zu erkunden. Du bist in einer fahrradfreundlichen Stadt!

Internationale Community in Barcelona

Über die Plattform InterNations kannst du dich mit anderen Expats verbinden. Sie können dir mit wertvollen Tipps aus gesammelter Erfahrung zur Seite stehen und dich in deinem Abenteuer positiv voranbringen. Vielleicht hat auch der eine oder andere ein Jobangebot oder eine freie Wohnung für dich. Für feminine Expats steht die Gruppe Girls Gone International Barcelona auf Facebook zur Verfügung. Hier kannst du an vielen organisierten gesellschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen, die von Mitgliedern veröffentlicht und geteilt werden und dich mit anderen weiblichen Expats vernetzen.

Lebenshaltungskosten in Barcelona

Das Leben in Barcelona kann sehr erschwinglich sein und hängt davon ab, wo du lebst und welchen Lebensstil du führen möchtest. Du kannst zum Beispiel deinen Cappuccino zu Salsa-Musik und angenehmen 25 Grad und Sonnenschein im Mai für etwa 1,85€ genießen. In München wären das schon glatte 3.00€. Auch Lebensmittel sind in Barcelona erschwinglich. Obst und Gemüse sind im Schnitt 0,60€ pro Kilo günstiger als in München. Das Gleiche gilt für Restaurantbesuche im gehobenerem Bereich und für Fastfood-Ketten wie McDonald’s. Bei Taxifahrten bleibt ebenfalls mehr Bares in deiner Geldbörse.

Spanisch Lernen

Ein Spanier kommt selten allein und das hat einen guten Grund: Spanier lieben die Gesellschaft. In Tapas-Bars oder Diskotheken, Cafés und Restaurants, auf Plätzen, in Parks und auf den Straßen, überall steckt einen die spanische Geselligkeit an. Das ist hervorragend, denn nur Üben macht den Meister und viele Gespräche, ob auf Arbeit oder in deiner Freizeit, werden dich weiter bringen. Den Grundstein kannst du in einer Sprachschule legen. Davon gibt es sehr viele in Barcelona, denn die Stadt hat sich längst auf ihre Expats eingestellt.

Angekommen in Barcelona

Registrierung & sonstige Organisationen

Deutsche Staatsbürger dürfen sich mit ihrem Personalausweis bis zu 90 Tage in Spanien aufhalten und ohne Probleme arbeiten. Wird diese Frist überschritten, ist eine Anmeldung beim Einwohnermeldeamt nötig. Um in Spanien generell arbeiten zu können, muss jeder Ausländer, wie bereits erwähnt, eine NIE-Nummer vorweisen. Wer sich im Angestelltenverhältnis befindet oder selbstständig ist, verpflichtet sich, in die gesetzliche Krankenversicherung („Seguridad Social“) einzuzahlen. Die Beiträge dafür sind im Vergleich zu Deutschland deutlich geringer. Zudem gibt es ein breites Angebot an bezahlbaren, privaten Krankenversicherungen. Ein Blick in dessen Vorteile lohnt sich.

  • NIE-Steuernummer einholen
  • Einrichtung eines Bankkontos
  • Bei Einwanderung über drei Monate das Einwohnermeldeamt kontaktieren
  • Optional: Private Krankenversicherung ermitteln

Bankkonto eröffnen

In Spanien kannst du sowohl als Ausländer als auch als Ortsansässiger ein Bankkonto eröffnen. In der Regel sind Bankkonten inländischer Kontoinhaber flexibler und haben Vergünstigungen. In jedem Fall kannst du dein Konto jederzeit wechseln, sobald du eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten hast. Zur Eröffnung eines Kontos benötigst du deinen Personalausweis oder Reisepass, einen Nachweis deiner spanischen Adresse (z.B. Mietvertrag, aktuelle Stromrechnung oder Kontoauszug), NIE-Nummer und einen Nachweis des Beschäftigungsstatus (z.B. Arbeitsvertrag, Studentenausweis). Sämtliche Dokumente müssen von einem vereidigten offiziellen Übersetzer namens Traductor Jurado in Spanisch übersetzt werden.

Krankenversicherung in Spanien

Das spanische Gesundheitssystem zählt zu den besten der Welt! Laut Weltgesundheitsorganisation haben spanische Frauen mit 85,5 Jahren, neben den Japanerinnen, die höchste Lebenserwartung unter den weiblichen Erdbürgern! Das spanische Gesundheitswesen umfasst sowohl private als auch staatliche Gesundheitsfürsorge. Einige Krankenhäuser und Gesundheitszentren bieten beide Gesundheitsleistungen an. Du brauchst nicht unbedingt eine private Krankenversicherung, um in Spanien medizinisch behandelt zu werden. Indem du aber eine zusätzliche Privatversicherung abschließt, kannst du das Beste aus beiden Systemen kombinieren. Solltest du noch keinen Arbeitsvertrag vorweisen können, bist du mit einer vorläufigen Zusatzversicherung auf der sicheren Seite.

Steuern & Sozialversicherungsbeiträge

Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber sind in Spanien zur Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen verpflichtet. Arbeitgeber müssen, basierend auf einem maximalen Arbeitnehmerbruttogehalt von 3.751,20€ pro Monat, einen Steuersatz von 29,9% entrichten. Bei den Arbeitnehmern liegen die Steuersätze für die Sozialversicherung zwischen 4,8 und 6,4%. Der Arbeitgeber behält einen Prozentsatz des Bruttogehalts des Arbeitnehmers als Zahlung für die Einkommensteuer des Arbeitnehmers ein. Unterschiede gibt es bei unbefristeten und befristeten Verträgen. Zum Beispiel fällt bei einem jährlichen Bruttogehalt von 20.000€ Einkommenssteuer über 2.338,0€ und 1.270€ Sozialversicherung an. Das monatliche Nettogehalt beträgt somit 1.366€.

Top Gründe nach Barcelona zu ziehen

Wenn die Sonne praktisch jeden Tag scheint und du deine Wochenenden damit verbringen kannst, an den Stränden Barcelonas zu faulenzen, Mojitos an Chiringuitos zu trinken, spanische und katalanische Köstlichkeiten auf offenen Plätzen in Barri Gotic, El Born und El Raval zu knabbern und möglicherweise etwas Hochkultur in Form von Oper im Liceu-Theater oder eine klassische Aufführung im Palau de la Musica Catalana zu erleben, kann man wirklich sagen, dass das Leben gut ist. Es gibt tausend andere Gründe der Expat-Community von Barcelona im sonnigen Mittelmeerraum beizutreten. Finde sie heraus!