Leben und Arbeiten in Großbritannien

Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland ist für viele junge Deutsche nicht nur ein beliebtes Reiseziel, sondern auch das Land der Träume für ein ganzes Arbeitsleben. Vor allem die Hauptinsel im Atlantik lockt mit dem sprichwörtlichen britischen Charme und vielfältigen Jobchancen. Und das Englische, das heute wohl nahezu jeder wenigstens in Grundzügen beherrscht, ist ein zusätzlicher Anreiz, dorthin zu ziehen. Das ist auch gar nicht schwer, denn das in Deutschland meist verkürzt als Großbritannien bezeichnete Land gehört – zumindest noch – zur EU, sodass außer einem gültigen Pass oder Ausweis keine weiteren Dokumente erforderlich sind. Eine Ausnahme bilden die Isle of Man und die britischen Kanalinseln, die nicht zur EU gehören. Vielleicht sollte man also nicht einfach ins Blaue hinausziehen, sondern vorab planen. Bei uns erfahrt ihr, worauf ihr beim Start in euer neues Leben achten solltet. Ach ja: Landeswährung ist noch immer das britische Pfund.

Unternehmen und Jobs für Deutsche

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich sind traditionell gut. So profitiert man gegenseitig von beiden stark entwickelten Wirtschaftsstandorten. Einen vergleichsweise großen Anteil am Bruttoinlandsprodukt Großbritanniens hatte 2015 der Dienstleistungssektor mit der Finanzbranche an der Spitze, darunter die renommierte HSBC, die Bank of England, Barclays und Lloyd’s. Auf den Finanzsektor entfallen fast 80%, wohingegen das produzierende Gewerbe nur knapp 20% beisteuerte, der magere Rest kommt aus der Landwirtschaft. Daran kann man erkennen, wo man auf der Insel wohl am ehesten eine Anstellung finden wird. Allerdings arbeitet die britische Regierung derzeit an einer wirtschaftlichen Umstrukturierung, die es ermöglichen soll, auch in den nicht so stark entwickelten Landesteilen, vor allem in Nordengland, Industrie- und Forschungszentren anzusiedeln.

Es wundert wohl niemanden, dass der Ballungsraum London das größte wirtschaftliche Potential entfaltet. Hier sind in erster Linie Führungskräfte im Dienstleistungssektor und IT-Fachkräfte gefragt. Banken, Versicherungen sowie Telekommunikationsunternehmen suchen Mitarbeiter und der Gesundheitssektor hat ein verstärktes Interesse an Ärzten, Krankenschwestern und Röntgenologen. Als deutscher Muttersprachler hat man auch gute Karten bei Callcentern.

Wer schon mit dem Job im Gepäck nach Großbritannien ziehen will, kann auf unserer Site nach Arbeitgebern suchen und wer rundum über neue Entwicklungen im Traumland informiert sein möchte, findet in unserem Newsletter sicher eine exzellente Quelle.

Arbeitserlaubnis

Als EU-Bürger muss man nicht eigens eine Arbeitserlaubnis beantragen: Man hat sie automatisch und darf gleich nach der Ankunft im Land eine Beschäftigung aufnehmen. Voraussetzung: ein gültiger Reisepass oder Personalausweis. Nur für die Isle of Man und die Kanalinseln benötigt man eine Arbeitserlaubnis. Wenn man länger oder für immer in Großbritannien leben will, ist es angesichts der Unsicherheit, ob Großbritannien in der EU verbleibt, kein Fehler vor Ablauf von sechs Monaten im Land beim Immigration and Nationality Directorate im Home Office, dem Innenministerium, eine Aufenthaltserlaubnis zu beantragen.

Bildung

Da England, Schottland, Wales und Nordirland traditionell jeweils eigene, wenn auch vergleichbare Schulsysteme haben, kann hier nur ein grober Überblick folgen: Es gibt die der deutschen Grundschule vergleichbare Elementary School auf die der Besuch einer Comprehensive School oder High School folgt und die Schüler wechseln dann meist auf ein College um die Voraussetzungen für die Hochschule zu erwerben.

Das Hochschulsystem in Großbritannien teilt sich in zwei Systeme. Zum einen das der offiziell zugelassenen Universitäten und zum anderen das der privaten Hochschulen. Akademische Grade dürfen lediglich die offiziell anerkannten Universitäten verleihen. Daher kooperieren die privaten Universitäten oft mit den zugelassenen um ihren Studenten die Möglichkeit zu geben, international anerkannte Abschlüsse und Examen zu erreichen.

Wie in Deutschland endet das Studium im Regelfall mit dem Abschluss Bachelor oder Master. Dabei ist der Bachelor nach drei Jahren zu erlangen, für den Master müssen dann noch ein oder zwei Jahre mehr studiert werden.

Ein Vorteil des britischen Systems ist die enge Verbindung des Studenten zu seiner Hochschule. Außeruniversitäre Aktivitäten und das Angebot von Hilfestellungen und Support durch Ansprechpartner von Seiten des Lehrstuhls sorgen für eine hohe Identifikation mit der Uni. Der Campus selbst ist oft geprägt von Sportanlagen, Pubs und sonstigen Freizeitangeboten.

Sprache und Handelsbeziehungen

Es mag überraschend sein, aber das Vereinigte Königreich hat keine Amtssprache. Offizielle Amtssprachen gibt es nur in Wales – Englisch und Walisisch – und in Schottland, dort Englisch und die schottische Variante des Gälischen. Allerdings sprechen mehr als 95% der Einwohner Großbritanniens Englisch. Und ausnahmslos jeder, der dort eine berufliche Karriere anstrebt, sollte mit exzellenten Englischkenntnissen aufwarten. Da nun aber ausgezeichnete Handelsbeziehungen des Landes mit Deutschland bestehen, kann man mit Deutsch als Muttersprache punkten. Britische Firmen mit Aktivitäten auf dem deutschen Markt, aber auch Niederlassungen deutscher Firmen in Großbritannien sind auf Mitarbeiter mit sehr guten Deutschkenntnissen angewiesen, so zum Beispiel Bosch, BMW oder der Springer Verlag.

Gute Berufschancen haben Akademiker und Facharbeiter. Das duale deutsche Berufsausbildungssystem steht auf der Insel hoch im Kurs. Bei Bewerbungsgesprächen ist es hilfreich, beglaubigte Übersetzungen der Zeugnisse dabeizuhaben. Aber keine Angst: In der Regel wird in Großbritannien dem geraden Ausbildungs- und Berufsweg lange nicht so viel Bedeutung beigemessen wie in Deutschland. Man kann dort viel leichter von vorn anfangen.

Für das gute Gelingen des Berufseinstiegs kann die Anerkennung der in Deutschland absolvierten Ausbildung von essentieller Bedeutung sein, vor allem, wenn man in einem sogenannten Freien Beruf mit bestimmten Zugangsvoraussetzungen arbeiten will. Dazu gehören Ärzte, Therapeuten, Apotheker, Lehrer, Architekten. Dazu wendet man sich am besten an den britischen Naric – National Academic Recognition Center. Für einige wenige Berufe gibt es auch den online erhältlichen europäischen Berufsausweis (European Professional Card).

Wohnen und Gesellschaft

Die Wohnungssuche in Großbritannien wird fast vollständig über Agenturen abgewickelt. Anders als in Deutschland werden meist Zeitmietverträge über sechs oder zwölf Monate abgeschlossen, die nur verlängert werden, wenn es keine Probleme gibt. Der Vermieter hat das Recht, die Wohnung alle drei Monate zu besichtigen. Üblich sind Kautionen. Zur Miete kommt noch die monatliche Council Tax, eine von der Gemeinde erhobene Steuer, die für kommunale Dienstleistungen – Müllabfuhr, Polizei, Feuerwehr, Schule usw. – verwendet wird. Ebenfalls sollte man an die Nebenkosten denken, denn sie gehören in Großbritannien nicht zur Miete. Insgesamt ist Wohnen teurer als in Deutschland und kann ein gigantischer Posten bei den Ausgaben sein, vor allem im Raum London.

Deutsche im Vereinigten Königreich

Schon mehr als 70 000 Deutsche leben und arbeiten im Vereinigten Königreich. Es gibt dort also vielerorts eine große deutsche Community. Dazu gibt es Internet-Foren, von denen die DIL – Deutsche in London – die bekannteste ist. Wer die Seite anklickt, findet Rat für alle erdenklichen Fragen, kann leicht Kontakte zu anderen Deutschen knüpfen, aber auch Wohnungs- und Jobangebote finden.

 

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