Leben und Arbeiten in Großbritannien

Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland ist für viele junge Deutsche nicht nur ein beliebtes Reiseziel, sondern auch das Land von dem viele Auswanderer träumen. Vor allem die Hauptinsel im Atlantik lockt mit dem sprichwörtlichen britischen Charme und vielfältigen Jobchancen. Und die englische Sprache, die heute wohl nahezu jeder wenigstens in Grundzügen beherrscht, ist ein zusätzlicher Anreiz, dorthin zu ziehen.

Ankommen in Großbritannien

Das ist auch gar nicht schwer, denn das in Deutschland meist als Großbritannien bezeichnete Land gehört – zumindest noch – zur EU, sodass außer einem gültigen Pass oder Ausweis keine weiteren Dokumente erforderlich sind. Eine Ausnahme bilden die Isle of Man und die britischen Kanalinseln, die nicht zur EU gehören. Vielleicht sollte man also nicht einfach ins Blaue hinausziehen, sondern vorab planen. Bei uns erfahrt ihr, worauf ihr beim Start in euer neues Leben achten solltet. Ach ja: Landeswährung sind noch immer britische Pfund.

Brexit

Nachdem das Land im Juni 2016 für den Austritt aus der EU gestimmt hat, ist die Zahl der neuen Einwanderer drastisch gefallen. Kein Wunder, denn die Unsicherheit ob EU-Bürger auch nach dem Austritt weiterhin in Großbritannien leben und arbeiten können ist groß.

Im März 2017 hat die britische Regierung offiziell den Austritt aus der EU beantragt. Von diesem Datum an bleiben beiden Seiten zwei Jahre Zeit, um die Bedingungen des Austritts zu verhandeln. Das offizielle Austrittsdatum ist für den 29. März 2019 angesetzt. Die Verhandlungen um die Zukunft Großbritanniens begannen im Juni 2017. Ein großer Punkt der Verhandlungen wird sich natürlich um das Recht auf Freizügigkeit von EU-Bürgern drehen.

Bis jetzt ist natürlich noch nichts bestimmt. Doch Großbritannien hat ein Angebot für EU-Bürger erstellt, über das verhandelt wird. Das Bleiberecht wird sich danach richten, wie lange man bereits in Großbritannien lebt und wann man angekommen ist. Dafür wird ein Stichtag bestimmt, der zwischen dem Tag an dem der Austritt beantragt wurde und dem Austrittsdatum liegen wird. Bis jetzt wurde noch kein Stichtag genannt.

Für Personen, die:

Seit 5 Jahren ohne Unterbrechung in Großbritannien leben

Es kann ein unbeschränktes Bleiberecht beantragt werden, sodass ein „dauerhafter Status“ erhalten wird.

Vor dem Stichtag in Großbritannien angekommen sind, aber bis Austritt noch keine 5 Jahre dort gelebt haben

EU-Bürger, die noch keine 5 Jahre in Großbritannien gelebt haben, können einen Antrag stellen, um in Großbritannien zu bleiben bis sie die 5-Jahresgrenze erreicht haben und somit einen Antrag auf unbeschränktes Bleiberecht stellen können

Nach dem Stichtag in Großbritannien angekommen sind

EU-Bürger, die erst nach dem Stichtag nach Großbritannien kommen, können eine Bleibeerlaubnis nach dem künftigen Immigrationsrecht beantragen.

Was passiert, wenn man bis zum Austrittsdatum keinen dauerhaften Status erhält? Muss man das Land sofort verlassen? Nein, es wird eine Übergangszeit geben. Diese soll 2 Jahre dauern und erlaubt EU-Bürgern auch weiterhin in Großbritannien zu bleiben. Währen dieser Zeit muss man jedoch eine Aufenthaltserlaubnis erhalten oder man muss das Land verlassen.

Aktuelle Informationen zum Thema Brexit findet man hier: https://www.gov.uk/guidance/status-of-eu-nationals-in-the-uk-what-you-need-to-know.de

Meldepflicht

So lange Großbritannien noch in der EU ist, muss man als EU-Bürger nicht eigens eine Arbeitserlaubnis beantragen: Man hat sie automatisch und darf gleich nach der Ankunft im Land eine Beschäftigung aufnehmen. Voraussetzung: ein gültiger Reisepass oder Personalausweis. Nur für die Isle of Man und die Kanalinseln benötigt man eine Arbeitserlaubnis. Will man länger in Großbritannien bleiben, kann man beim Immigration and Nationality Directorate im Home Office, dem Innenministerium, eine Aufenthaltserlaubnis (BRP) zu beantragen. Das kann man bis zu 6 Monate nachdem man in das Land gekommen ist machen. Aufgrund der Brexit Situation ist es empfehlenswert die Aufenthaltserlaubnis zu beantragen.

Anders als in Deutschland, gibt es kein Einwohnermeldeamt und auch keine polizeiliche Meldepflicht. Das bedeutet, man muss sich nicht extra bei einer Behörde anmelden.

Wichtige Identifikationsnummern

Wer in Großbritannien leben und arbeiten will, benötigt eine National Insurance (NI) Nummer. Spätestens, wenn du eine Arbeit gefunden hast, musst du eine NI Nummer beantragen. Auch für Sozialhilfe- und Rentenleistungen benötigst du eine NI. Beantragt wird sie beim Jobcentre Plus, dem britischen Arbeitsamt. Der erste Schritt für die Beantragung ist ein Anruf bei der National Insurance number application line um einen Termin für ein persönliches Gespräch zu vereinbaren. Den Termin, sowie Informationen welche Unterlagen du mitbringen solltest bekommst du dann zugeschickt. In dem Gespräch werden dir verschiedene Fragen gestellt, u. a. warum du eine NI benötigst.

Bankkonto

Wenn du deinen Job in Großbritannien antrittst solltest du auch ein Bankkonto eröffnen, sodass dein Arbeitgeber dein Gehalt direkt auf ein nationales Konto überweisen kann. Am besten ist es verschiedene Banken zu vergleichen, um zu sehen, welche am besten für dich geeignet ist. Um ein Konto zu eröffnen benötigst du meistens einen Identitätsnachweis, am besten benutzt du dafür deinen Reisepass, und einen Nachweis über deine britische Adresse. Als Nachweis kannst du zum Beispiel deinen Mietvertrag vorlegen. Schwieriger wird es, wenn du in einer WG wohnst oder noch keine eigene Wohnung hast und du keinen Mietvertrag mit deinem Namen vorweisen kannst. Dann benötigst du ein anderes Dokument, z. B. ein offizieller Brief, der an deine Adresse geschickt wurde. Das kann eine Stromrechnung sein oder ein Brief vom Jobcentre Plus. Eine einfache Rechnung, z. B. von deinem Handyvertrag wird meist jedoch nicht akzeptiert. Am besten fragst du direkt bei der Bank nach, welche Dokumente akzeptiert werden.

Krankenversicherung

Anders als in Deutschland gibt es in Großbritannien keine Krankenkassen. Für die Gesundheitsversorgung des Landes ist der staatliche National Health Service zuständig (NHS). Wenn du in Großbritannien wohnst oder arbeitest, hast du auch Anspruch auf die öffentliche Gesundheitsversorgung. Damit du die Versorgung sofort nutzen kannst, wenn du sie brauchst, solltest du dich gleich nach deiner Ankunft bei einem Hausarzt (General Practitioner oder GP) registrieren. Damit meldest du dich automatisch beim NHS an. Du kannst dir selbst aussuchen, bei welchem GP du dich registrierst. Überleg dir am besten was dir wichtig ist und vergleiche verschiedene GPs anhand deiner Kriterien, z. B. Nähe zum Wohnort oder Nähe zur Arbeit. Es kann auch hilfreich sein, sich Meinungen von Freunden oder Kollegen einzuholen.

Steuern/Gehalt

In Großbritannien ist es in manchen Unternehmen üblich, dass das Gehalt wöchentlich gezahlt wird. Das durchschnittliche Gehalt liegt ungefähr bei 539 £ (ungefähr 592 €) wöchentlich bzw. 28.028 £ pro Jahr (rund 30.814 €).

Die Einkommenssteuer richtet sich danach, wie viel verdient wird. Wie in Deutschland gibt es auch hier einen jährlichen Freibetrag, auf den keine Steuern gezahlt werden müssen. Dieser liegt bei 11.500 £ (ca. 12.600 €). In Schottland unterscheidet sich die Einteilung der Steuerblöcke vom Rest Großbritanniens. Zu der Einkommenssteuer kommen noch die Sozialabgaben.

Zu versteuerndes Einkommen  Steuersatz
Persönlicher Freibetrag  Bis zu 11.500 £ 0 %
Basic rate 11.501 £ bis 45.000 £ 20 %
Higher rate 45.001 £ bis £150.000 £ 40 %
Additional rate über 150.000 £ 45 %

Quelle: https://www.gov.uk/income-tax-rates

Arbeiten

Arbeitsmarkt

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich sind traditionell gut. So profitiert man gegenseitig von beiden stark entwickelten Wirtschaftsstandorten. Durch die ausgezeichneten Handelsbeziehungen der Länder, kann man mit Deutsch als Muttersprache punkten. Britische Firmen mit Aktivitäten auf dem deutschen Markt, aber auch Niederlassungen deutscher Firmen in Großbritannien sind auf Mitarbeiter mit sehr guten Deutschkenntnissen angewiesen, so zum Beispiel Bosch, BMW oder der Springer Verlag. Als deutscher Muttersprachler hat man auch gute Karten bei Callcentern.

Es wundert wohl niemanden, dass der Ballungsraum London das größte wirtschaftliche Potential entfaltet. Hier sind in erster Linie Führungskräfte im Dienstleistungssektor und IT-Fachkräfte gefragt. Banken, Versicherungen sowie Telekommunikationsunternehmen suchen Mitarbeiter und der Gesundheitssektor hat ein verstärktes Interesse an Ärzten, Krankenschwestern und Röntgenologen. Gute Berufschancen haben Akademiker und Facharbeiter. Das duale deutsche Berufsausbildungssystem steht auf der Insel hoch im Kurs. Bei Bewerbungsgesprächen ist es hilfreich, beglaubigte Übersetzungen der Zeugnisse dabeizuhaben. Aber keine Angst: In der Regel wird in Großbritannien dem geraden Ausbildungs- und Berufsweg lange nicht so viel Bedeutung beigemessen wie in Deutschland. Man kann dort viel leichter von vorne anfangen.

Arbeiten in London

Für das gute Gelingen des Berufseinstiegs kann die Anerkennung der in Deutschland absolvierten Ausbildung von essentieller Bedeutung sein, vor allem, wenn man in einem sogenannten Freien Beruf mit bestimmten Zugangsvoraussetzungen arbeiten will. Dazu gehören Ärzte, Therapeuten, Apotheker, Lehrer, Architekten. Dazu wendet man sich am besten an den britischen Naric – National Academic Recognition Center. Für einige wenige Berufe gibt es auch den online erhältlichen europäischen Berufsausweis (European Professional Card).

Arbeitsrecht

Pro Woche dürfen maximal 48 Stunden gearbeitet werden. Bei einer 5-Tage-Woche haben Arbeiter in Großbritannien Anspruch auf 28 bezahlte Urlaubstage. Dazu kommen noch 9 oder 10 Feiertage. Hier gibt es jedoch Unterschiede zum deutschen System. Bei Feiertagen gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf einen bezahlten freien Tag oder auf einen höheren Lohn, wenn an diesem Tag gearbeitet wird. Doch die meisten Arbeitgeber geben ihren Angestellten den Tag frei, mit Bezahlung. Feiertage, die auf einen Samstag oder Sonntag fallen, werden am folgenden Wochentag, der kein Feiertag ist, nachgeholt.

Der Mindestlohn in Großbritannien richtet sich nach dem Alter der Arbeitnehmer.

Im April 2017 betrug der Mindestlohn pro Stunde:

Alter 25 und älter 21 bis 24 18 bis 20 Unter 18 Ausbildung
7.50 £ 7.05 £ 5.60 £ 4.05 £ 3.50 £

Quelle: https://www.gov.uk/national-minimum-wage-rates

Bewerbung

Anders als in Deutschland sollten Bewerbungen in Großbritannien nur aus einem Anschreiben und deinem Lebenslauf bestehen. Statt Arbeitszeugnisse, die es so in Großbritannien nicht gibt, an die Bewerbung anzuhängen, werden am Ende des Lebenslaufs Namen und Kontaktdaten von Referenzen angegeben. Das können ehemalige Vorgesetzte oder Kollegen sein, aber auch Dozenten oder Lehrer, die dich persönlich kennen und etwas über deine Arbeitsmoral sagen können. Zeugnisse oder Diplome werden üblicherweise nicht angehängt. Deine Zusammenarbeit mit den angegebenen Referenzkontakten sollte nicht allzu lange zurückliegen (max. 5 Jahre).

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist, dass der Lebenslauf relativ anonym gehalten wird. Da der Fokus auf deiner beruflichen und fachlichen Qualifikation liegen soll, müssen bestimmte persönliche Daten nicht angegeben werden. Dein Alter, Geschlecht, Familienstand oder auch ein Foto von dir solltest du nicht in deinen Lebenslauf aufnehmen. Auch der Beruf deiner Eltern oder Geschwister ist unwichtig.

Deine schulische Ausbildung und Berufserfahrungen solltest du in umgekehrter chronologischer Reihenfolge auflisten, also mit dem neusten beginnen.

Leben

Wohnen

Ein guter Anfang, um eine Wohnung oder ein Haus in Großbritannien zu finden, ist die Internetsuche. Die größten Immobilienwebseiten sind Rightmove und Zoopla. Eine weitere Möglichkeit ist es über eine Agentur zu suchen. Das ist zwar mit Kosten verbunden, kann dir aber Zugang zu einer Vielzahl von Angeboten bieten. Agenturen dürfen jedoch keine Gebühren verlangen, wenn sie deinen Namen nur auf eine Liste setzen oder dir eine Liste mit Angeboten schicken. Die Miete, ohne Nebenkosten, wird meistens pro Monat (pcm = per calender month) oder pro Woche (pw = per week) angegeben. Du solltest also genau lesen, bevor du dich über die Schnäppchenwohnung in tollster Lage freust.

Anders als in Deutschland werden meist Zeitmietverträge über sechs oder zwölf Monate abgeschlossen, die nur verlängert werden, wenn es keine Probleme gibt. Der Vermieter hat das Recht, die Wohnung alle drei Monate zu besichtigen. Wie in Deutschland ist es auch in Großbritannien üblich, dass eine Kaution hinterlegt wird. Zur Miete kommt noch die monatliche Council Tax, eine von der Gemeinde erhobene Steuer, die für kommunale Dienstleistungen – Müllabfuhr, Polizei, Feuerwehr, Schule usw. – verwendet wird. Ebenfalls sollte man an die Nebenkosten denken, denn sie gehören in Großbritannien nicht zur Miete. Wenn du einziehst, musst du dich selbst um Strom und Gas kümmern, indem du dich bei einem Anbieter anmeldest.

Insgesamt ist Wohnen teurer als in Deutschland und kann ein gigantischer Posten bei den Ausgaben sein, vor allem im Raum London.

Lebenshaltungskosten

Generell sind die Lebenshaltungskosten in Großbritannien höher als in Deutschland. London zählt zu einer der teuersten Städte der Welt. Die Mietpreise im gesamten Land sind sehr hoch, aber der Wohnstandard niedriger als in Deutschland. Durch die hohen Mietpreise, besonders in den Großstädten, ist der Arbeitsweg oft recht lang.

Da sich die Lebenshaltungskosten von Region zu Region stark unterscheiden können, haben wir eine Übersicht mit den Hauptstädten der verschiedenen Landsteile Großbritanniens erstellt.

Berlin London Cardiff Edinburgh Belfast
1 Liter Milch
1,5 Liter Wasser
Kartoffeln 1 kg
Monatskarte ÖPNV
Internet (Monat)
Kino
Fitnessstudio (Monat)
Miete (1-Raum Wohnung)
0,82 €
0,66 €
1,22 €
81,00 €
26,35 €
10,00 €
25,16 €
644,24 €
1,02 €
1,05 €
1,50 €
146,59 €
27,61 €
13,33 €
50,79 €
1.576,94 €
0,99 €
1,00 €
1,31 €
55,53 €
24,54€
7,50 €
28,35 €
620,40 €
1,00 €
1,30 €
1,45 €
59,97 €
30,01 €
11,11 €
33,89 €
712,58 €
0,99 €
1,13 €
1,76 €
60,52 €
23,62€
7,50€
26,10 €
507,08 €

Quelle: Numbeo

Verkehr

Wie jeder weiß, herrscht im Vereinigten Königreich Linksverkehr. Das heißt besonders in den ersten Monaten, die man in Großbritannien verbringt sollte man besonders aufmerksam sein.

Das öffentliche Verkehrsnetz ist gut ausgebaut. Es gibt Busse, Bahnen und auch Fähren, die dich von einem Ort an den anderen bringen. Wer eine weitere Strecke zurücklegen will kann entweder mit dem Zug fahren oder einen der vielen Fernbusse nehmen. Allerdings sollte man sich auch bewusst sein, dass Verspätungen, Ausfälle und überfüllte Transportmittel keine Seltenheit sind.

Deutsche in Großbritannien

Schon mehr als 70 000 Deutsche leben und arbeiten in Großbritannien. Es gibt dort also vielerorts eine große deutsche Community. Dazu gibt es Internet-Foren, von denen die DIL – Deutsche in London – das bekannteste ist. Wer die Seite anklickt, findet Rat für alle erdenklichen Fragen, kann leicht Kontakte zu anderen Deutschen knüpfen, aber auch Wohnungs- und Jobangebote finden.

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