Leben und Arbeiten in den Niederlanden

Rund 380.000 Deutsche leben bereits in den Niederlanden. Schon lange ist bekannt, dass „Oranje“ weit mehr zu bieten hat als Windmühlen, Käse und Tulpen. Gerade die relativ leicht zu erlernende Sprache und die geografische und teilweise auch kulturelle Nähe zu Deutschland machen es zu einem attraktiven Ziel für Deutsche.

Ankommen in den Niederlanden

Da die Niederlande ein EU-Land sind, können sich deutsche Staatsbürger sehr einfach im Land niederlassen und benötigen keine Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis.

Meldepflicht 

In den Niederlanden gibt es ein ähnliches Meldewesen wie in Deutschland. Wer länger als 4 Monate im Land bleiben möchte, muss seinen Wohnsitz bei der zuständigen Gemeinde im Einwohnermeldeamt (Basisadministratie Persoonsgegevens – GBA) anmelden. Wenn man später innerhalb des Landes umzieht, muss man sich ummelden. Für die Anmeldung benötigt man ein gültiges Ausweisdokument (Personalausweis oder Reisepass) und einen Adressnachweis, z. B. in Form des Mietvertrages oder eine Bescheinigung des Vermieters. Eventuell müssen auch eine Geburts- oder Heiratsurkunde nachgereicht werden. Die Anmeldung muss innerhalb von 5 Tagen erfolgen. Wenn du nach deiner Ankunft die ersten Tage in einem Hotel verbringst und somit noch keinen festen Wohnsitz hast, solltest du dich sobald du deinen Mietvertrag bekommen hast anmelden.

Wichtige Identifikationsnummern

Bei deiner Anmeldung im Einwohnermeldeamt bekommst du deine ”Bürgerservicenummer” (BSN). Diese benötigst du bei bestimmten Behörden, wenn du einen Job anfängst oder bei der Versicherung. Zusätzlich kannst du auch eine DigiD, eine digitale Identifikationsnummer, beantragen. Damit kannst du z. B. deine Steuererklärung online einreichen.

Bankkonto

Da auch in den Niederlanden der Euro als Währung eingesetzt wird, und man in den meisten Geschäften mit EC- oder Kreditkarte bezahlen kann, ist ein niederländisches Bankkonto vielleicht nicht die erste Priorität. Wenn du eine Arbeit aufnimmst, solltest du ein Konto eröffnen, um ohne Probleme dein Gehalt zu bekommen. Für die Eröffnung eines Bankkontos kannst du einfach eine Filiale der gewünschten Bank aufsuchen. Bei manchen Banken benötigst du einen Termin, bei anderen kannst du direkt ein Konto eröffnen. Du solltest deinen Ausweis oder Reisepass, deine BSN und einen Adressnachweis bereithalten.

Krankenversicherung

In den Niederlanden gibt es eine Versicherungspflicht. Das heißt innerhalb der ersten 4 Monate musst du eine Krankenversicherung abschließen. Die Versicherung kannst du selbst wählen. Damit wird eine Grundsicherung gewährleistet. Dann kannst du wählen, ob du noch weitere zusätzliche Leistungen abschließen möchtest. Anders als in Deutschland werden die Beiträge für die Krankenversicherung nicht direkt von deinem Gehalt abgezogen, sondern müssen extra bezahlt werden. Die Kosten belaufen sich auf ca. 1000 € im Jahr, plus einkommensabhängige Zuschläge.

Steuern/Gehalt

Der Mindestlohn in den Niederlanden beträgt 1.551,60 € pro Monat, für Personen älter als 23 Jahre. Der Mindestlohn bezieht sich auf Vollzeitpositionen mit 36, 38 oder 40 Stunden. Einen festgelegten stündlichen Mindestlohn gibt es so nicht. Das heißt, wer 40 Stunden arbeitet bekommt den gleichen Mindestlohn wie Arbeiter mit 36 h pro Woche. Es wird aber bereits über eine Änderung zum Stundenlohn diskutiert.

Die Einkommenssteuer berechnet je nach Größe des Einkommens. Außerdem werden Beiträge für die Sozialversicherung abgezogen. Insgesamt werden zwischen 37 % und 52 % vom Netto-Gehalt abgezogen.


Arbeiten

Arbeitsmarkt

Verschiedene Branchen, wie beispielsweise das Hotelgewerbe und die Gastronomie, die Bauindustrie, sowie das niederländische Gesundheitswesen sind auf der Suche nach geeigneten Fachkräften. Deutsche sind in der Regel dabei gern gesehene Arbeitnehmer. Besonders zu erwähnen ist an dieser Stelle die Bauindustrie, die einen hohen Bedarf an qualifizierten Ingenieuren hat. Besonders für Akademiker gibt es ein breites Angebot an Stellen und dadurch eine sehr geringe Arbeitslosenquote.

Immer mehr internationale Firmen eröffnen Standorte in den Niederlanden, z. B. Hewlett Packard (Amsterdam), Canon (Amsterdam), Lucent Technologies (Den Haag), Microsoft, Oracle (Amsterdam) und Toshiba (Rotterdam) haben sich in den Metropolen unseres Nachbarlandes angesiedelt.

Extra-Tipp: Amsterdam ist eine der europäischen Top-Städte in der Start-up Szene, d. h. hier finden sich interessante Jobs für deutsche Muttersprachler.

Arbeitsrecht

Pro Tag dürfen maximal 9 Stunden gearbeitet werden, pro Woche maximal 45 Stunden. In den meisten Berufen beträgt die Arbeitszeit 36 – 40 Stunden pro Woche. Bei einer Vollzeittätigkeit hast du Anspruch auf mindestens 20 bezahlte Urlaubstage. Bei vielen Arbeitgebern gibt es allerdings mehr als 20 Tage. In den Niederlanden ist es üblich, dass man zu Beginn eines neuen Jobs, einen befristeten Vertrag bekommt. Die Probezeit beträgt maximal 1 Monat für auf unter 2 Jahre befristete Verträge und maximal 2 Monate für andere Verträge. Die Kündigungsfrist ist abhängig davon, wie lange man bereits für den Arbeitgeber arbeitet.

Kündigungsfrist
Abgestellt seit Frist
weniger als 5 Jahre 1 Monat
5 – 10 Jahre 2 Monate
10 – 15 Jahre 3 Monate
über 15 Jahre 4 Monate


Leben

Wohnen

Wie in anderen Ländern auch herrscht besonders in den Großstädten ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Besonders in Amsterdam sind Wohnungen sehr teuer und schwer zu bekommen. Am einfachsten findet man eine Wohnung über einen Makler.

Die billigsten Wohnungen gibt es bei den Wohnbaugesellschaften. Dort kann man sich, je nach Einkommen, auf bestimmte Wohnungen bewerben. So können sich Menschen mit einem größeren Einkommen nur auf etwas teurere Wohnungen bewerben und Geringverdiener auf günstige. Da die vergleichsweise günstigen Wohnungen sehr beliebt sind, muss man sich jedoch auf viele Wettbewerber und lange Wartezeiten einstellen.

Die Kaution für eine Mietwohnung beträgt meistens 2 Monatsmieten.

Die ungefähre monatliche Miete für eine 45 m² Wohnung beläuft sich in Amsterdam auf 1.006 €, in Den Haag auf  725 €, in Rotterdam auf 636 € und in Maastricht auf 617 €. Mieten werden meist als Kaltmieten angegeben. Nebenkosten, wie Wasser, Strom und Heizung, müssen dazugerechnet werden.

Lebenshaltungskosten

Berlin Amsterdam Den Haag Rotterdam Maastricht
1 Liter Milch
1,5 Liter Wasser
Kartoffeln 1 kg
Monatskarte ÖPNV
Internet (Monat)
Kino
Fitnessstudio (Monat)
Miete (1-Raum Wohnung)
0,82 €
0,66 €
1,22 €
81,00 €
26,35 €
10,00 €
25,16 €
644,24 €
1,01 €
0,89 €
1,52 €
90,00 €
36,48 €
12,00 €
32,68 €
1.254,69 €
1,00 €
0,86 €
1,31 €
70,00 €
35,41€
12,00 €
35,07 €
763,34 €
0,97 €
0,84 €
1,28 €
70,00 €
30,94 €
10,00 €
22,60 €
818,10 €
0,90 €
0,83 €
1,21 €
40,00 €
29,46 €
9,00€
26,28 €
635,77 €

Quelle: Numbeo

Verkehr

Der deutsche Führerschein ist auch in den Niederlanden gültig. Es gibt jedoch bestimmte Einschränkungen: Der Führerschein ist nur 15 Jahre ab Ausstellungsdatum gültig. Ein Beispiel: Hat man den Führerschein 2006 in Deutschland erworben, darf man diesen bis 2021 in den Niederlanden nutzen. Danach muss man ihn in einen niederländischen Führerschein umtauschen. Wenn man den Führerschein zum Zeitpunkt des Umzugs in die Niederlande schon länger als 13 Jahre, so hat man 2 Jahre Zeit bevor man ihn umtauschen muss. Der Umtausch erfolgt bei der Stadtverwaltung. Du benötigst deinen Ausweis, ein Foto und natürlich deinen deutschen Führerschein, den du dann abgeben musst.

Deutsche in den Niederlanden

In den Niederlanden leben rund 380.000 Deutsche. Täglich pendeln zudem etwa 25.000 Deutsche über die Grenze. An einer deutschen Community teilzuhaben wird sich somit als ein Leichtes herausstellen. Sofern dies nicht von Interesse ist, kann problemlos über das Wochenende zurück ins Heimatland gefahren werden.

 

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