Leben und arbeiten in Schweden

Schweden ist nicht nur ein beliebtes Urlaubsland, sondern auch dauerhaftes Zielland für viele Deutsche. Im OECD „Besser leben“ Index landet das skandinavische Land im allgemeinem Ranking für Lebensqualität auf Platz 4. Durch die EU-Mitgliedschaft Schwedens benötigen EU-Bürger keine Arbeitserlaubnis, um in Schweden zu leben und zu arbeiten.

Ankommen in Schweden

Meldepflicht 

Wer länger als ein Jahr in Schweden bleiben möchte, muss sich beim Steueramt (Skatteverket) anmelden. Für die Anmeldung solltest du einen Nachweis mitbringen, dass du entweder in Schweden arbeitest oder studierst, oder dass du über ausreichende finanzielle Mittel und Krankenversicherung verfügst, um dich selbst zu versorgen. Außerdem solltest du deinen deutschen Pass oder Ausweis mitnehmen. Wenn du mit Ehepartner und Kindern auswanderst, musst du eventuell Heirats- und Geburtsurkunden vorzeigen. Bei der Anmeldung bekommst du eine Personennummer zugeteilt.

Wenn du nach Schweden ziehst und Arbeit suchst, und nicht über ausreichende Geldmittel verfügst, hast du das Recht 6 Monate in Schweden zu bleiben.

Wichtige Identifikationsnummern

Die Personennummer ist die wichtigste Identifikationsnummer in Schweden. Du benötigst sie bei Behördengängen, Arztbesuchen und für Verträge aller Art – also praktisch überall. Deshalb solltest du dich auch zeitnah nach Ankunft in Schweden beim Skatteverket anmelden. Mit einer Personennummer kannst du das schwedische Gesundheitssystem in gleichen Maßen wie schwedische Bürger nutzen. Außerdem kannst du dich mit der Nummer für kostenlose Schwedischkurse anmelden.

Wenn du eine Personennummer hast, kannst du auch eine schwedische ID-Karte beim Steueramt beantragen. Auf der Karte ist dein Name, Geburtsdatum und deine Personennummer vermerkt. Die Karte kannst du innerhalb Schwedens als Identitätsnachweis benutzten, z. B. wenn du Verträge abschließt. Sie ist aber kein Ersatz für deinen Personalausweis oder Pass und gilt nicht bei Ausweiskontrollen an Ländergrenzen.

Bankkonto

Schweden nutzt nicht den Euro als Währung, sondern die Schwedische Krone. Wenn du dein deutsches Bankkonto benutzt, fallen deshalb meist Umrechnungsgebühren beim Bezahlen an. Deshalb ist es sinnvoll,  ein schwedisches Konto zu eröffnen, wenn du für eine längere Zeit bleiben möchtest. Für die Eröffnung eines Kontos benötigst du eine Personennummer und meist auch die schwedische ID-Karte. Es gibt auch Banken, bei denen du keine Personennummer benötigst, das ist aber umständlicher. Je nach Bank kannst du einfach eine Filiale besuchen und ein Konto direkt eröffnen oder dir einen Termin geben lassen.

In Schweden ist es übrigens üblich auch kleine Beträge mit EC-Karte zu bezahlen. Bargeld wird immer weniger genutzt. Vereinzelt kann man auch auf kleine Läden treffen, in denen keine Barzahlung möglich ist, das ist aber immer noch selten.

Mit deinem Konto kannst du auch eine BankID oder mobilBankID bestellen. Damit kannst du dich z. B. für dein Online Banking einloggen, aber auch beim Steueramt, Krankenkasse und anderen Behörden. So kannst du z. B. deine Steuererklärung online anfertigen und abschicken.

Krankenversicherung

Schweden hat ein staatliches Gesundheitssystem. Wer eine schwedische Personennummer hat bekommt die gleichen Leistungen wie schwedische Staatsangehörige. Auch wer keine Personennummer hat, aber nachweisen kann, dass er oder sie in Schweden wohnt kann die gleichen Leistungen bekommen. Das ist z. B. bei Austauschstudenten, die nur ein 6-monatiges Auslandssemester in Schweden machen, der Fall.

Für jede Region gibt es Gesundheitszentren (Vårdcentral), in denen verschiedene Ärzte und Krankenschwestern arbeiten. Wer zum Arzt gehen will, ruft als erstes beim lokalen Gesundheitszentrum an und bekommt dann einen Termin beim passenden Arzt. Leider sind die Wartezeiten, besonders für Fachärzte, recht lang. Für (fast) jeden Arztbesuch fallen Patientengebühren an. Diese unterscheiden sich je nach Region, liegen aber bei umgerechnet 10 € bis 20 €. Im Zeitraum von 12 Monaten zahlt man aber höchstens 110 €. Zahnarztbesuche fallen übrigens nicht unter das staatliche Gesundheitssystem. Das heißt man muss die gesamten Kosten selbst tragen. Es gibt allerdings private Zusatzversicherungen speziell für Zähne oder auch allgemeine Zusatzversicherungen.

Steuern/Gehalt

In Schweden gibt es keinen festgelegten Mindestlohn. Im Internet findest du unterschiedliche Gehaltsstatistiken, unterteilt nach Region und Branche, die dir helfen können eine ungefähre Vorstellung über schwedische Gehälter zu bekommen.

Die Einkommenssteuer ist abhängig von der Gemeinde, in der du wohnst. Der durchschnittliche Steuersatz liegt 2018 bei 32,12 %. Hinzu kommen eine „Begravningsavgift“ (Bestattungsabgabe) von ca. 0,22 % und Kirchensteuer für Mitglieder der schwedischen Kirche. Steuerklassen wie in Deutschland gibt es nicht. Wer eine bestimmte Einkommensgrenze (2018: 455.300 SEK/Jahr) überschreitet zahlt zusätzlich die staatliche Einkommenssteuer von 20 % – 25 %.

Arbeiten

Arbeitsmarkt

Auch in Schweden ist der Fachkräftemangel zu spüren. Ärzte, Pflegepersonal, Lehrer, Handwerker und Architekten werden in vielen Gemeinden dringend gesucht. Für diese Berufe sind gute Schwedischkenntnisse notwendig.

Da Schweden ein wichtiger Handelspartner von Deutschland ist, gibt es besonders in den größeren Städten wie Stockholm und Göteborg viele internationale Unternehmen, die auf dem deutschen Markt aktiv sind und deshalb deutschsprachige Mitarbeiter suchen. In diesem Bereich ist es nicht unbedingt notwendig Schwedisch zu sprechen. Es lohnt sich aber immer die Landessprache zu lernen.

Arbeitsrecht

Da Schweden zur EU gehört, gibt es viele Parallelen zum deutschen Arbeitsrecht. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden. Bei Beginn einer Anstellung kann es eine Probezeit von maximal 6 Monaten geben.

Arbeitnehmer haben das Recht auf mindestens 25 Urlaubstage pro Jahr. Hier gibt es jedoch einige Unterschiede zu Deutschland. In Schweden wird zwischen dem Recht auf Urlaub und dem Recht auf bezahlten Urlaub unterschieden. Den bezahlten Urlaub musst du dir während des ersten Jahres deiner Anstellung „erarbeiten“. Für jeden Monat den du arbeitest, verdienst du dir 2 bezahlte Urlaubstage. Von April bis März erarbeitest du dir die Urlaubstage und ab dem folgenden April kannst du deinen bezahlten Urlaub nutzen. In deinem ersten Jahr hast du also nur Recht auf unbezahlten Urlaub. Die meisten Arbeitgeber genehmigen dir aber einen Vorschuss auf deine bezahlten Urlaubstage. Nimmt man bezahlte Urlaubstage so gibt es zusätzlich zum normalen Gehalt mindestens 0,43 % Urlaubszuschuss. Man bekommt also mehr Geld, wenn man Urlaub macht.

In Schweden haben Arbeitnehmer außerdem das Recht im Zeitraum Juni bis August 4 zusammenhängende Wochen Urlaub zu nehmen. So können Eltern während der fast 10-wöchigen Schulferien ausgiebig Zeit mit den Kindern verbringen und in den Sommerurlaub fahren oder den schwedischen Sommer im eigenen Sommerhaus auf dem Land verbringen. Während dieser Monate ist es in Schweden sehr ruhig. Es gibt Unternehmen, die während des Sommers schließen, andere stellen studentische Aushilfen ein, um den Betrieb am Laufen zu halten.

Die Kündigungsfrist ist abhängig davon, wie lange du beim Unternehmen angestellt bist.

Kündigungsfrist
Angestellt seit Frist
weniger als 2 Jahre 1 Monat
2 – 4 Jahre 2 Monate
4 – 6 Jahre 3 Monate
6 – 8 Jahre 4 Monate
8 – 10 Jahre 5 Monate
über 10 Jahre 6 Monate

Bewerbung

Wer sich in Schweden bewirbt, sollte einen Lebenslauf und ein kurzes Anschreiben in englischer oder schwedischer Sprache parat haben. Zeugnisse werden erstmal nicht in die Bewerbung aufgenommen sondern können zum Vorstellungsgespräch mitgebracht werden. Es ist außerdem üblich Kontaktdaten von Referenzen anzugeben (z. B. ehemalige Vorgesetzte).

Dein Lebenslauf sollte auf den Job zugeschnitten sein und nur die relevantesten Erfahrungen erwähnen. Wenn du dich für einen Job als Buchhalter bewirbst und schon mehrere Jahre in diesem Bereich gearbeitet hast, wird es wahrscheinlich niemanden interessieren, dass du vor 10 Jahren als Kellner gearbeitet hast. Denk also genau nach, was für die Stelle relevant ist. Beim Auflisten deiner Berufserfahrungen und Ausbildungen solltest du mit den aktuellsten beginnen.

Ein Bewerbungsfoto ist nicht zwingend notwendig.

Leben

Wohnen

Neben der Jobsuche ist die Wohnungssuche in Schweden die größte Herausforderung. Besonders in den Großstädten herrscht Wohnungsmangel. Die meisten Mietwohnungen befinden sich in Besitz von großen Wohnungsbaugesellschaften. Wer eine Wohnung mieten will, muss sich meistens bei der Gesellschaft registrieren und steht dann in einer Warteschlange oder sammelt Punkte. Bewirbt man sich auf eine Wohnung, konkurriert man meistens mit Hunderten von Bewerbern. Nur die Bewerber mit einer hohen Anzahl Wartejahre oder gesammelten Punkten werden zur Besichtigung eingeladen und haben die Chance die Wohnung zu bekommen. In Stockholm liegt die durchschnittliche Wartezeit bei 12 Jahren, in Göteborg bei 6 Jahren und in kleineren Städten bei 2 Jahren. Selbst für die Schweden ist es daher schwierig in eine neue Stadt zu ziehen. Es gibt sehr wenige Wohnungsbaugesellschaften, die ohne Warteschlange oder Punktesystem vermieten.

Selbst für die Schweden ist es daher schwierig in eine neue Stadt zu ziehen. Es gibt sehr wenige Wohnungsbaugesellschaften, die ohne Warteschlange oder Punktesystem vermieten. Viele Schweden vermieten ihre Wohnung, wenn sie nicht genutzt wird, z. B. während eines Auslandsaufenthalts. So hat man die Chance, zumindest für einen befristeten Zeitraum, eine Wohnung als Untermieter zu bekommen. Da der Wohnungsmarkt hart umkämpft ist, können private Vermieter die Preise in die Höhe treiben.

Eine andere Alternative ist der Haus- oder Wohnungskauf. Kaufanzeigen findet man im Internet oder bei lokalen Maklerbüros. Wohnungen, vor allem in Großstädten, werden oft innerhalb von wenigen Tagen nach Veröffentlichung verkauft – viel Bedenkzeit gibt es nicht. Immobilien werden versteigert und der eigentliche Kaufpreis kann schnell weit über dem Ausgangspreis liegen. Will man ein Haus oder eine Wohnung kaufen, beantragt man bei einer Bank eine Kreditzusage (lånelöfte). Das ist ein unverbindlicher Vorschlag für einen Immobilienkredit (Bolån), in dem festgehalten wird wie viel du dir von der Bank leihen kannst. So kannst du dir ein Limit setzen, wenn du bietest. Mindestens 15 % des Kaufpreises musst du selbst bezahlen, der Rest wird über den Kredit finanziert. Die Tilgung des Kredits erfolgt eher langsam. Wer nur 15 % des Kaufpreises selbst zahlt muss den Kredit mit jährlich mindestens 2 % zurückzahlen. Als Sicherheit für die Bank wird die Immobilie eingesetzt.

Übrigens ist ein Wohnungskauf in Schweden nicht immer ein richtiger Kauf. Normalerweise kauft man ein Nutzungsrecht (Bostadsrätt). Die Wohnung gehört einer Vereinigung, der man nach dem Kauf beitritt. Monatlich zahlt man eine Gebühr an die Vereinigung, ähnlich wie eine Miete, aber niedriger. Die Vereinigung kümmert sich u. a. um Reparaturen und Instandhaltung des Gebäudes.

Lebenshaltungskosten

Berlin

Stockholm

Göteborg

1 kg Äpfel
Brot
Bier
Monatskarte ÖPNV
Internet (Monat)
Kino
Fitnessstudio (Monat)
Miete (1-Raum Wohnung)

2,12 €
1,02 €
1,02 €
81,00 €
26,35 €
10,16 €
33,01 €
643,00 €

2,54 €
1,44 €
1,69 €
84,64 €
26,24 €
11,85 €
44,01 €
1100,00 €

2,37 €
1,35 €
1,44 €
56,71 €
26,24€
11,85 €
38,93 €
745,00 €

Quelle: Teleport

Deutsche in Schweden

In Schweden trifft man relativ viele Deutsche. In den meisten größeren Städten kann man einen deutschen Stammtisch finden. Es gibt Facebook Gruppen für Deutsche in Stockholm oder Deutsche in Schweden. Allgemein findet man viele deutsche Spuren in Schweden, wie deutsche Kirchen und Schulen. In schwedischen Schulen war Deutsch eine der beliebtesten Fremdsprachen, mittlerweile ist Spanisch beliebter. Deshalb gibt es viele Schweden, die zumindest grundlegende Deutschkenntnisse haben.

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