Zahle ich in Deutschland Steuern, wenn ich im Ausland lebe?

Wer im Ausland lebt und arbeitet, sollte sich in jedem Fall die Frage stellen, welche steuerrechtlichen Konsequenzen dies hat. Tatsächlich gibt es hier einige verschiedene Aspekte zu beachten, darunter zum Beispiel, in welches Land man auswandern möchte und ob dieses Land ein Abkommen mit Deutschland hat, das zum Beispiel eine Mehrfachversteuerung verhindert oder verringert. Außerdem kann es entscheidend sein, ob man in Deutschland gemeldet ist und dort einen Wohnsitz hat oder nicht. Hier erfährst du alles Wichtige in Bezug auf die Steuerpflicht für Deutsche, die im Ausland leben und arbeiten.

Beachte jedoch, dass die Steuergesetze viele Ausnahmen und Sonderregelungen beinhalten. Unser Artikel bezieht sich auf Einkünfte aus nicht-selbstständiger Arbeit. Bei bestimmten Fragen, oder wenn du dir unsicher bist, was auf dich zutrifft, wende dich bitte an das Finanzamt oder an einen Steuerberater.

Grundbestimmungen

Deine Steuerpflicht wird auf Grund deines Wohnsitzes oder persönlichen Aufenthalts bestimmt.

Wohnsitz

Die gesetzliche Definition für Wohnsitz lautet:

„Einen Wohnsitz hat jemand dort, wo er eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass er die Wohnung beibehalten und benutzen wird.“ (§8 Abgabenordnung)

Laut Gesetz wird ein Wohnsitz also nicht mit einer Anmeldung beim Meldeamt gleichgesetzt. Das heißt, es kann auch ein Wohnsitz in Deutschland bestehen, wenn du nicht in Deutschland gemeldet bist. Im Umkehrschluss ist es auch möglich, dass du trotz Anmeldung in Deutschland keinen Wohnsitz im Land hast. Das kann z. B. der Fall sein, wenn du bei deinen Eltern gemeldet bist und dir dort dein Zimmer zur Verfügung steht. Voraussetzung ist jedoch, dass du dich eine längere Zeit im Ausland aufhältst und nur wenige Tage im Jahr zurückkommst.

Gewöhnlicher Aufenthalt

Die gesetzliche Definition für den gewöhnlichen Aufenthalt lautet:

„Den gewöhnlichen Aufenthalt hat jemand dort, wo er sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend verweilt. Als gewöhnlicher Aufenthalt im Geltungsbereich dieses Gesetzes ist stets und von Beginn an ein zeitlich zusammenhängender Aufenthalt von mehr als sechs Monaten Dauer anzusehen; kurzfristige Unterbrechungen bleiben unberücksichtigt. […]“ (§9 Abgabenordnung)

Diese Definition ist alles andere als eindeutig, deshalb ist es manchmal schwer genau zu sagen, was auf die eigene persönliche Situation zutrifft. Festgelegt ist, dass ein gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland besteht, wenn man sich länger als 6 Monate, oder 183 Tage, im Land aufhält. Dabei werden kurze Unterbrechungen nicht mitgezählt. Das bedeutet aber nicht, dass sobald man weniger als 6 Monate in Deutschland ist kein gewöhnlicher Aufenthalt besteht. Dieser kann auch gegeben sein, wenn man z. B. starke familiäre oder wirtschaftliche Bindungen zu Deutschland hat.

Steuerpflicht

Die Steuerpflicht wird im §1 des EStG festgelegt. Es gibt die unbeschränkte und beschränkte Steuerpflicht.

Wenn du deinen Wohnsitz in Deutschland angemeldet hast oder dein gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland ist, bist du unbeschränkt Steuerpflichtig. Dann musst du dein gesamtes Einkommen, unabhängig in welchem Land es erzielt wurde, in Deutschland versteuern. Damit du dein Einkommen nicht in 2 Ländern versteuern musst, gibt es das sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen.

Wenn du keinen Wohnsitz in Deutschland hast und keinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hast, bist du beschränkt steuerpflichtig. Dann musst du nur dein in Deutschland erzieltes Einkommen in Deutschland versteuern. Wenn du also keine Einkünfte aus Deutschland hast, musst du in Deutschland keine Einkommensteuer zahlen.

Wenn man keine Bindung mehr zu Deutschland hat, also abgemeldet ist und kaum zu Besuch kommt, sollte es keine Probleme geben. Besteht aber noch eine Bindung, z. B. durch Familie und Freunde, und du reist regelmäßig nach Deutschland, kann es sein, dass das Finanzamt prüft, ob sich dein Lebensmittelpunkt wirklich nicht mehr in Deutschland befindet.

Wenn du deine deutschen Verträge gekündigt hast (z. B. Internet, Handy, Versicherung), in Deutschland abgemeldet bist oder du kein deutsches Bankkonto mehr hast, wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit deinen Lebensmittelpunkt im Ausland haben.

Doppelbesteuerungsabkommen

Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) soll verhindern, dass Menschen, deren Wohn- und Arbeitsort in zwei verschiedenen Ländern sind, ihr Einkommen doppelt versteuern müssen. Einen Überblick, mit welchen Ländern Deutschland dieses Abkommen geschlossen hat, findest du beim Bundesfinanzamt. Dort findest du auch die Texte zu den jeweiligen DBAs, in denen bestimmt wird, in welchem Land die Steuern gezahlt werden müssen. Die Regelungen sind von Land zu Land unterschiedlich, deshalb solltest du dich gut über dein Zielland informieren.

Wenn mit einem Land also ein DBA besteht, gibt es die Möglichkeit, in Deutschland einen Wohnsitz zu haben und trotzdem keine Steuern in Deutschland zahlen zu müssen.

Hier gilt meistens wieder die 183-Tage-Regelung: Wenn du dich weniger als 6 Monate in Deutschland aufhältst versteuerst du dein Einkommen in dem Land, aus dem das Einkommen stammt. Dies bezieht sich aber generell nur auf das Einkommen, das man im Ausland bezieht. Solltest du aber weiterhin Einnahmen aus Deutschland haben, beispielsweise durch die Vermietung einer Immobilie, muss dieses Einkommen in Deutschland versteuert werden.

Außerdem gelten das DBA beziehungsweise der ausländische Steuersatz nicht, wenn du durch einen deutschen Arbeitgeber im Ausland beschäftigt bist, denn auch in diesem Fall musst du die in Deutschland fällige Einkommenssteuer zahlen.

Wenn du in ein Land ziehst, das kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland hat, musst du dein Einkommen ebenfalls weiterhin in Deutschland versteuern und hier auch deine Steuererklärung abgeben.