WIE FINDE ICH MICH AN MEINEM NEUEN ARBEITSORT ZURECHT?

Alles ging so schnell: Gerade eben war man noch in seiner gewohnten Umgebung, lebte seit der Geburt in Deutschland. Dann kam das lukrative Angebot aus dem Ausland. Und plötzlich waren die Koffer gepackt, die Wohnung gekündigt, eine neue besorgt und der Flieger bestiegen. Wenig später dann, ganz verloren, ist das Flugzeug gelandet und man steht da, alleine, anonym und verloren am Airport. Damit dieses unangenehme, beklemmende Gefühl bald verschwindet, gibt es hier einige Tipps, die dabei helfen, sich am neuen Platz schnell zurechtzufinden.

Der Einzug in die neue Wohnung

Der erste Schritt in ein neues Arbeitsleben ist der Bezug einer neuen Wohnung – in einer völlig fremden Umgebung. Und da die Wohnung meistens der Anfangs- und Endpunkt eines Tages ist, schafft man sich auf diese Art und Weise ein neues Zuhause. Es ist also sehr wichtig, dass man sich schnell zuhause fühlt. Denn noch ist unklar, ob die neue Stadt gut gefällt und zum Verweilen einlädt oder völlig fremd bleibt.

Gerade, wenn es sich um einen lukrativen Job handelt, wird er vermutlich neben dem Spaß, den er hoffentlich mit sich bringt, vor allem Stress produzieren. Und um sich von diesem Stress zu erholen, braucht man einfach eine schöne, gemütliche Bleibe. Also am besten auf keinen Fall den Fehler machen und die Kisten, die man von zuhause mitgebracht hat, eingepackt stehen lassen. Denn so entsteht der Eindruck eines permanenten Provisoriums – und das wird sich unterbewusst auf das Leben in der Fremde auswirken.

Wahrscheinlich sind die alten Möbel verschenkt, verkauft oder in der Heimat untergebracht. Aber ohnehin muss es kein Fehler sein, neue zu kaufen! Denn zu leer sollte die neue Wohnung nicht bleiben, hier gilt das Gleiche wie bei den Umzugskartons, die ewig eingepackt im Gang stehen: Ankommen muss zum Teil auch mental vom Ankommenden erledigt werden.

Für die Möbel, die man neu kauft, gilt: Wenn es sich beim Arbeitsaufenthalt im Ausland absehbar nur um ein Intermezzo handelt, ist es nicht notwendig, sich die teuren Stücke zu kaufen. Aber funktional und gemütlich sollten sie allemal sein. So ist es beispielsweise wirklich empfehlenswert, sich eine Couch oder einen Sessel zu holen, der zur echten Stammsitzgelegenheit avanciert.

Wer sich sehr verloren fühlt, kann Erinnerungen aus der Heimat mitnehmen. Das kann so ziemlich alles sein, zum Beispiel ein Plattenspieler mit der LP, die einen immer so an die Heimatstadt erinnert, weil man sie dort immer mit en Freunden zusammen gehört hat. Oder ganz klassisch: Fotos einrahmen und mitnehmen. Es spricht auch nichts dagegen, andere Gegenstände, die man mit der Familie oder Freunden verbindet, an ein schönes Plätzchen in der neuen Bleibe zu stellen. Und selbst, wenn es sich nur um die Kaffeetasse handelt, die seit Jahren benutzt wird und deren Druck langsam abblättert, kann sie doch ein behagliches Gefühl erzeugen. Gut ist in diesem Fall, was funktioniert.

Andere Länder, andere Stile?

Die grundsätzliche Frage ist natürlich, ob man sich stilistisch anpassen will oder den Stil aus der Heimat bringt. Sicher, gerade in mitteleuropäischen Ländern ähneln sich die Häuser und Wohnungen, das kann aber schnell ganz anders aussehen, wenn man einmal den Kontinent wechselt. Denn in Mittel- und Südamerika, afrikanischen oder/und asiatischen Ländern können ganz andere Einrichtungsstile populär sein.

Dann gilt es, sich grundsätzlich zwischen zwei verschiedenen Optionen zu entscheiden. Sowohl die Methode, fremde Stile in der eigenen Wohnung zu etablieren, als auch die, Altbekanntes zu verwenden, haben Vor- und Nachteile. Während natürlich die Integration des fremden Stils auch immer die eigene Integration in die fremde Kultur erleichtert, kann es schwer sein, diesen gleich als Heimat zu betrachten. Entscheidet man sich, Altbekanntes zu verwenden, sofern es in den Einrichtungshäusern vor Ort überhaupt halbwegs erschwinglich ist, mag das schon eher gelingen – aber gleichzeitig bleibt die fremde Kultur noch fremder.

Geht es etwa in das Land der aufgehenden Sonne, Japan, könnte sich der Versuch lohnen, Vertrautes und Fremdes zu mixen. Denn die japanische Einrichtung hat durchaus ihre Vorzüge: Sie ist nicht nur sehr reduziert und schlicht, sondern zudem noch hell und leicht. Dazu gibt es noch eine flexible Raumgestaltung. Einrichtungsgegenstände können immer helfen, die fremde Kultur ein wenig zu internalisieren und somit zu verstehen. Stilvoll gemischt mit europäischen Möbeln ergäbe das einen echten Hingucker und bietet dem Ankömmling selbst immer noch eine gewisse Orientierung. Dabei ist die japanische Art, Wohnungen einzurichten, noch zudem ziemlich nachhaltig.

Natürlich muss die Einrichtung aber gefallen und auch zu der Person passen, die sich für sie entscheidet. Fühlt man sich fremd in der eigenen Wohnung, bringen auch die schönsten Möbel nichts. Wer die eigene Wohnung nicht als Provisorium betrachtet, sondern als Zuhause, hat sich einen echten Vorteil geschaffen!

Orientierung gewinnen

Grundsätzlich sollte nach der ersten Ankunft im eigenen Viertel genau dieses erkundet werden. Also, noch einmal die Straßenschuhe anziehen und hinaus in die fremde, große Welt. Es reicht für den ersten Tag, wenn die Erkundung sich auf die umliegenden Straßen beschränkt. Es muss schließlich nicht immer gleich ein umfassendes Sightseeing sein. Wer sich dabei nicht nur auf Navigationssysteme und digitale Optionen verlässt, erfährt dabei mehr.

Wo ist was?

Eine komplett fremde Umgebung ist schließlich nichts anderes als eine gewaltige Reizung aller Sinne. Gerade bei Metropolen wäre es ein völlig sinnloser Versuch, sich gleich bei Ankunft ein Bild von der ganzen Stadt zu machen. Keine Chance! Aber schon einmal herauszufinden, wie es so mit den Einkaufsmöglichkeiten rund um die eigene Wohnung steht, das ist eine andere Geschichte. Welche Restaurants und Bars gibt es? Wie sieht es mit Grünflächen aus, auf denen man sich mal vom Stadtgewimmel ausruhen kann? Gibt es sonst noch Möglichkeiten, Sport zu treiben?

Doch je nachdem kann schon das eigene Viertel unglaublich groß sein. Und dann hat man ein Problem, denn in aller Regel kann man nicht mal eben W-LAN oder kostengünstiges mobiles Internet nutzen. Doch auch dafür gibt es natürlich eine ganze Reihe von Möglichkeiten. So ist es zum Beispiel kein Problem, es mal ganz klassisch mit einer Kombination aus einer Karte und einem Reiseführer zu probieren. Allerdings sollte es sich dabei um einen Reiseführer handeln, der nicht nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Städten abklappert – schließlich hat man sonst kaum eine Chance, die eigene Umgebung darin zu entdecken. Bei den ersten Touren durch die Stadt empfiehlt es sich, die eigene Orientierung für das neue Quartier zu schulen.

Sind diese Infos aber zu allgemein und helfen nicht dabei, ganz konkrete Orte zu finden, zum Beispiel ein bestimmtes Restaurant, gibt es immer noch Apps die eigentlich für den Urlaub gedacht sind, sich aber auch prima für die Orientierung im neuen Umfeld eignen. Hat man zum Beispiel keine Karten analog zur Hand, kann man diese mit der Karten-App Maps.me ersetzen. Dazu braucht es nicht unbedingt eine Internetverbindung. Bei anderen Apps wie beispielsweise TripAdvisor und Yelp benötigt man zwar Internet, doch sind sie besonders beim Finden von guten Restaurants sehr nützlich.

Schöne Plätze finden

Vielleicht hat man nicht unbedingt die Möglichkeit, die von anderen Menschen auserkorenen schönsten Orte der Welt während der eigenen Arbeitszeit zu bereisen. Muss man aber auch nicht. Denn die neue Erfahrung dient ja unter anderem dazu, selbst schönste Plätze zu finden. Und da es sich hier um eine wirklich individuelle Entscheidung handelt, nur ein paar Beispiele: Das schöne Eck-Café, das nur zwei oder drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, in dem der Café aber schmeckt, als wäre er wirklich mit Liebe gemacht.

Der kleine Bücherladen, der anders als die großen Ketten wirklich noch aussucht, welche Bücher er verkauft und welche nicht, und in dem man sich in Ruhe hinsetzen kann, um zur Probe zu lesen. Und hat man einmal gar keine Ahnung, welches Buch man denn nun erwerben möchte,  berät einen der freundliche Verkäufer.

Doch je nach Hobby gibt es auch Plätze, die für andere Menschen keineswegs attraktiv erscheinen, einem selbst aber ungeheuer. In der kanadischen Stadt Toronto etwa gibt es das sogenannte Knitting Café, wo man ganz in Ruhe der eigenen Strickleidenschaft nachgehen kann. Will man aber nicht stricken, sondern sich vom Großstadtdschungel ausruhen, zieht es einen vielleicht eher hinaus auf die zu Toronto gehörigen Inseln. Dort bekommt man vom Großstadttrubel gar nichts mit, sondern bekommt fast das Gefühl, man wäre in einer viel ländlicheren Region.

Solche Oasen sind es, die die Bezeichnung „Schöner Platz“ tatsächlich verdienen. Die gibt es natürlich praktisch überall auf der Welt, aber man muss ein wenig suchen. Ein anderes, schönes Beispiel ist ein Stadtteil der brasilianischen Schönheit Rio de Janeiro. Dieses Viertel heißt Santa Teresa, das wirklich eine magische Erscheinung ist. In der relativen Ruhe dieses fast dörflichen Stadtteils hat man das Gefühl, man wäre gar nicht in Rio – obwohl man von dort aus auch viele große Bauten der Stadt sehen kann.

Die Schönheit solcher Plätze kann, wie schon gesagt, enorm subjektiv sein. Ob es nun ein Klassiker wie der Central Park in New York City ist oder ein Platz, den keiner beachtet, ist völlig egal. Er muss eine besondere Empfindung in einem selbst auslösen und im Optimalfall dazu beitragen, dass man sich schneller heimisch fühlt und einen echten Bezug zu dem Ort entwickelt.

Soziale Kontakte knüpfen

Doch selbst die schönsten Plätze, die man entdecken kann, machen auf Dauer alleine keinen Spaß. Also bleibt nur der Versuch, soziale Kontakte zu knüpfen. Aber dies kann sich schwierig gestalten – denn auch bei der neuen Arbeitsstelle kann eine gewisse Reserviertheit zu Beginn durchaus normal sein.

Leute inner- und außerhalb des Betriebs

Am klügsten ist es also, zweigleisig zu fahren: Natürlich kann man im neuen Beruf Kontakte knüpfen, und da man selbst vermutlich etwas exotischer wirkt, zieht man sicherlich neugierige Blicke und Fragen auf sich. Da das allerdings auf Dauer durchaus nerven könnte, empfiehlt es sich durchaus, auch außerhalb des Betriebs Kontakte zu knüpfen. Außerdem ist es oft empfehlenswert, erst einmal zu analysieren, wie die hierarchischen Strukturen auf der Arbeit funktionieren – die gute, alte Trennung zwischen Arbeit und Privatleben kann besonders dann Sinn machen, wenn die neue Firma unbekannt und ihre Funktionsweise schwer einzuschätzen ist.

Möchte man aber Freundschaften im Betrieb schließen, kann man unter Umständen sogar besser mit ihnen arbeiten. Besonders wichtig ist es natürlich sowieso, die Sprache des Landes, in dem man arbeitet, gut zu beherrschen, schließlich ist sie die Basis für jede gute Zusammenarbeit. Natürlich sind anschließend alle ohnehin wichtigen kollegialen Tugenden zu beachten – so etwa Zuverlässigkeit, Freundlichkeit und die Fähigkeit, unverbindlichen Smalltalk halten zu können. Neben den Klassikern wie etwa einer Konversation über das Wetter oder den Verkehr sind Themen wie Hobbies immer gut, um erste Gespräche zu gestalten.

Hobbies sind auch einer der besten Startpunkte, um außerhalb des Jobs Kontakte zu knüpfen. Denn ganz besonders über das Internet lassen sich heutzutage relativ leicht die verschiedensten Interessengruppen finden, die sich mit Sport, Musik, Literatur, Kunst und vielen anderen Themen beschäftigen. Beim Finden solcher Gruppen helfen selbstverständlich nicht nur die normalen Recherchen im Internet, sondern ganz besonders Soziale Medien wie Instagram, Facebook und eventuell Snapchat. Der große Vorteil von solchen Gruppen ist, dass man quasi nicht in die Verlegenheit kommt, erst noch ins Gespräch kommen zu müssen. Schließlich ist das gemeinsame Hobby eine sehr gute Basis.

Es gibt aber insbesondere in den größeren Städten fast auf der ganzen Welt internationale Communities. Sollte es den Auswanderer also in Länder jenseits von Europa ziehen, kann er da sicherlich eine Gruppe finden, die sich auf ein Bier und zum Austausch regelmäßig treffen.

Empfehlenswert ist es auch, über sportliche Aktivitäten Kontakte zu knüpfen. So trainieren beispielsweise viele Marathon-Gruppen zusammen. In Asien zum Beispiel gibt es viele Gelegenheiten, beim Gruppen-Yoga teilzunehmen, während man in Argentinien etwa sicher gute Möglichkeiten findet, mit anderen Menschen gemeinsam Tango zu lernen. Wer auf nationale Volkssportarten achtet, wird sicherlich fündig! In den USA etwa empfehlen sich natürlich besonders Baseball oder Football zum Kennenlernen, während man in England ganz traditionell weiter Fußball spielen könnte. Natürlich kann man auch in Fitnessstudios versuchen, Kontakte zu knüpfen. Da es sich aber natürlich bei Kraftsportarten um sehr individuelle Disziplinen handelt, die sogar noch unterschiedliche Ziele wie Muskel- oder Kraftaufbau verfolgen, kann es schwierig sein, dort Kontakte zu knüpfen. Erschwerend kommt ja noch hinzu, dass es keine festen Uhrzeiten gibt, zu denen sich Kraftsportler träfen – es geht einfach jeder Mensch dann trainieren, wenn er Zeit und Lust hat.

Sitten kennen heißt schneller ankommen

In Deutschland ist es ja ganz genauso: Wer ein paar deutsche Sitten kennt und einige Vorkenntnisse mitbringt, hat es wesentlich einfacher, Anschluss zu finden. Und umgekehrt verhält es sich natürlich auch nicht anders. Deshalb sind Vorbereitungskurse für Auslandsaufenthalte sicherlich keine schlechte Idee.

Dort kann man nicht nur Sitten und Gebräuche anderer Länder, sondern auch Sprichwörter, Dos und Don’ts kennenlernen. Oftmals ist es sogar so, dass man über die Sitten und Gebräuche anderer Länder etwas lernt, während man einen Sprachkurs macht. Hat man das versäumt, wird einem oft sogar vom Arbeitgeber angeboten, kostenlos an einem teilzunehmen. Schlau ist es allerdings, ein paar Kriterien zu kennen, die einen guten Sprachkurs ausmachen.

Gerade was die Sitten in anderen Ländern angeht, sollte man sich in Acht nehmen, um nicht aus Versehen unhöflich zu sein, ohne das zu wollen. So ist es etwa in Russland definitiv empfehlenswert, Blumen in ungerader Zahl zu schenken, da nur diese für glückliche Gegebenheiten genutzt werden. Und natürlich gibt es auch bei den Tischsitten in anderen Ländern andere Sitten. In Indien etwa wird oft mit den Händen gegessen. Aber nicht mit beiden! Die linke Hand gilt nämlich als die „unreine“ und ist auch diejenige, die nach dem Toilettengang benutzt wird. Außerdem sollte man sich zwischen den verschiedenen Gängen die Hände waschen, denn sonst gilt man schnell als „unrein“. Doch auch in Indien gibt es, wie in den meisten Ländern, noch einiges mehr zu beachten.

Offenheit und Selbstbewusstsein zeigen

Generell ist es immer gut, selbstbewusst, aber nicht überheblich aufzutreten. Denn schließlich ist der „Gast“ immer etwas vorsichtiger und bei aller Neugier zurückhaltend statt forsch. Offenheit heißt, Interesse zu  zeigen, aber nicht aufdringlich zu sein.

Work-Life-Balance am neuen Ort finden

Mit welchen Hilfsmitteln die Orientierung leichter fällt, wissen wir nun. Um nicht im Stress der neuen Arbeit unterzugehen, sollte allerdings nicht nur damit verbunden das eigene Konto gepflegt werden. Stattdessen ist es wichtig, die eigenen Hobbies weiterhin zu pflegen. Das kann man perfekt mit dem schon angesprochenen Knüpfen von Kontakten verbinden.

Orte der Ruhe suchen

Doch auch Hobbies sind in aller Regel nichts, wobei man wirklich Ruhe findet – außer vielleicht Yoga. Deshalb braucht man Orte, wo man tatsächlich einfach genau diese findet. Besonders in den Metropolen kann Lärm schnell zu einer regelrechten psychischen Belastung ausarten. Wo die Ruheorte zu finden sind, ist genauso subjektiv wie die angesprochenen besonderen Plätze zu finden sind. Das kann sogar ein Solarium oder das eigene Bett sein.

Die neue Kultur

Jede interkulturelle Erfahrung beinhaltet immer die Möglichkeit, nicht nur mehr über die Welt zu lernen, sondern auch mehr über sich selbst zu erfahren. Das gelingt natürlich nur, wenn man sich von der Arbeit nicht förmlich auffressen lässt! Also unbedingt an Entdeckungs- und Erfahrungsfreiräumen festhalten und diese nicht noch mit Arbeit ersetzen. Nur so kann die Stadt nach und nach zu einem neuen Zuhause avancieren.