Steuern zahlen in Europa

Was passiert eigentlich mit der Lohnsteuerkarte, wenn man ins Ausland zieht?

Dafür müssen wir uns erst nochmal kurz anschauen, was es eigentlich mit der Lohnsteuerkarte in Deutschland auf sich hat. Früher (von der Einführung im Jahr 1925 bis zum Jahr 2010) war es so, dass Arbeitnehmer jedes Jahr ihrem Arbeitgeber eine Lohnsteuerkarte vorzeigen mussten, damit dieser dann die Lohnsteuern berechnen konnte. Seit 2005 gibt es in Deutschland die elektronische Lohnsteuerbescheinigung, die kurz auch ELStAM (Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) genannt wird. Seit 2013 wird dieses System in Deutschland nun voll genutzt. Dazu gibt es eine Steuer-Identifikationsnummer, die Geburtstag und Daten zu Lohnsteuerabzugsmerkmale angibt. Die wichtigsten Merkmale sind: Steuerklasse, Kinderfreibeträge und Konfession (Kirchensteuer).

Soweit so gut. Was passiert nun aber, wenn man ins europäische Ausland zieht, um dort zu arbeiten?

Abmelden

Das hängt ein wenig davon ab, ob man sich offiziell abmeldet. Offiziell muss man sich von innerhalb 2 Wochen nach dem Umzug ins Ausland beim Meldeamt in Deutschland abmelden, sonst gibt es eine Geldbuße. D.h. man hat keinen Wohnsitz mehr in Deutschland und darf sich somit auch keine 6 Monate im Jahr im Inland aufhalten. Manchmal macht es Sinn, einen Wohnsitz (z. B. bei den Eltern) in Deutschland aufrecht zu halten und somit in Deutschland gemeldet zu bleiben. Insbesondere wenn man vor hat langfristig wieder nach Deutschland zu ziehen. Bei Abmeldung darfst du keine Einkünfte aus Gewerbebetrieben in Deutschland erwirtschaften. Wichtig zu wissen: Krankenversicherung, Sozialversicherung, KFZ-Zulassung und Wahlregister sind von der Abmeldung beeinträchtigt.

Familienstatus

Einen großen Unterschied bezüglich der Steuern im Inland sowie im Ausland hängt davon ab, ob man verheiratet ist und Kinder hat oder nicht. Deutschland führt eine vergleichsweise familienfreundliche Steuerpolitik. Alleinstehende Durchschnittsverdiener dagegen zahlen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hier recht viele Steuern. Das OECD (Organisation for Economic and Co-operation and Development  – Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) bringt dazu regelmäßig vergleichende Berichte raus.

Wer vorher ungefähr wissen möchte, wie viel Gehalt es am Ende des Monats wirklich gibt, kann im Internet nach Gehaltsrechnern für das gewünschte Land suchen. Diese zeigen zumindest ungefähr, wie viele Steuern abgehen.

Steuerprobleme

Es kann passieren, insbesondere wenn man freiberuflich tätig ist und den Wohnsitz ins Ausland verlegt, dass man noch immer in Deutschland steuerpflichtig ist. Wichtig ist hierfür, wo man gemeldet ist, also seinen Wohnsitz hat. Es gibt die beschränkte Steuerpflicht und die unbeschränkte. Letzteres bezieht sich auf Menschen, die ihren Wohnsitz nicht in Deutschland haben und im Ausland arbeiten. Dann gibt es noch das Doppelbesteuerungsabkommen, damit man, wie der Name schon sagt, nicht in zwei Ländern doppelt Steuern zahlen muss.

Rat holen

Hört sich kompliziert an? Ist es auch. Das Beste ist, sich im Klaren zu sein, wo man die nächste Zeit leben und arbeiten will und sich dementsprechend ab- und anmeldet.

Hilfreiche Tipps zu Steuern im Ausland gibt es oft bei der Deutschen Botschaft. Und es gibt mittlerweile Steuerberater, die sich auf die Beratung von im Ausland lebenden Deutschen (Auslandsdeutsche) spezialisiert haben.

 

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