Staatsangehörigkeit

Wenn du langfristig im Ausland lebst oder leben möchtest, hast du vielleicht schon einmal über eine neue oder doppelte Staatsbürgerschaft nachgedacht. Es ist nicht einfach, einen zweiten Reisepass zu beantragen, kann sich aber durchaus lohnen.

Ist die doppelte Staatsbürgerschaft möglich?

Generell gilt, dass du deine deutsche Staatsbürgerschaft verlierst, wenn du dich in einem anderen Staat einbürgern lässt. Ausnahmeregelungen gibt es hier für die Schweiz sowie die EU-Staaten, in diesen Fällen stellt es in der Regel kein Problem dar, die doppelte Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Solltest du in einen Nicht-EU-Staat auswandern, dann musst du einen Beibehaltungsantrag stellen. Es ist wichtig, dass du diesen stellst, bevor die zweite Staatsbürgerschaft erworben wurde. Den Beibehaltungsantrag kannst du entweder bei deiner lokalen Behörde stellen oder im Ausland bei dem jeweiligen Konsulat sowie der Botschaft. Bei Antragsstellung benötigst du einen guten Grund, wieso du noch immer eng mit Deutschland verbunden bist, zum Beispiel Eltern und Verwandte in Deutschland, Grundbesitz, Konten und Geldanlagen oder die Mitgliedschaft in deutschen Vereinen. Außerdem gehören zu dem Antrag diverse Unterlagen, mit denen du deine deutsche Staatsbürgerschaft beweisen kannst, etwa die Geburtsurkunde, ein Führungszeugnis sowie der Nachweis des letzten Wohnsitzes.

Erwerb einer ausländischen Staatsbürgerschaft

Wenn du eine ausländische Staatsbürgerschaft erwerben möchtest, gibt es unterschiedliche Regelungen, die du beachten solltest. Der Prozess der klassischen Einbürgerung hängt vom jeweiligen Land ab. In der Regel musst du aber in jedem Fall für eine bestimmte Zeit in dem Land gelebt haben, bevor die Antragsstellung möglich ist.

Eine weitere Möglichkeit stellt das Investment dar: Einige Inselstaaten der Karibik und Zypern sind von deiner Bindung an das Land zu überzeugen, indem du großzügige Investitionen und Spenden tätigst, häufig im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Auch die Abstammung kann ein gutes Argument sein: Wenn du zum Beispiel in Brasilien, Israel oder Italien eingebürgert werden möchtest, hilft es, Vorfahren in dem jeweiligen Land zu haben. Auch Heirat, Geburt und Adoption stellen natürlich gute Gründe dar, in einem anderen Land eingebürgert zu werden.

Vor- und Nachteile

Grundsätzlich besitzt du mit der doppelten Staatsbürgerschaft die Rechte zweier Staaten, musst unter Umständen aber auch den doppelten Verpflichtungen nachkommen. Häufig erleichtert dir die doppelte Staatsbürgerschaft dein Leben in zwei verschiedenen Ländern oder den permanenten Aufenthalt im Ausland. Vorteile ergeben sich zum Beispiel in Bezug auf den Arbeitsmarkt, Immobilienkäufe, das Steuer- und Erbrecht, einfachere Ein- und Ausreisen sowie das Wahlrecht. Auch die soziale Absicherung spielt eine Rolle: Mit der doppelten Staatsbürgerschaft hast du so nicht nur Vorteile auf dem Arbeitsmarkt, sondern abhängig vom jeweiligen Land auch Zugang zu Sozial- und Krankenversicherungen. Neben all der praktischen Vorteile geht mit dem doppelten Pass außerdem häufig ein emotionaler Beweggrund einher, denn wenn du dich in zwei Ländern zu Hause fühlst, möchtest du diese Bindung vermutlich auch gern zum Ausdruck bringen.

Wenn du dich des Weiteren dafür entscheidest, die deutsche Staatsbürgerschaft aufzugeben, kann das auch Nachteile birgen: Du kannst zum Beispiel deinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und Sozialhilfe verlieren, weitere Konsequenzen können zudem der Verlust einiger Grundrechte und eventueller Einreiseprivilegien sein, auch das Wahlrecht in Deutschland verlierst du in diesem Fall.

Wiedereinbürgerung nach Deutschland

Du kannst die deutsche Staatsbürgerschaft ablegen oder wirst feststellen, dass du in einigen Staaten keine zwei Pässe besitzen darfst, sodass du deine deutsche Staatsbürgerschaft verlierst, wenn du in einem anderen Land eingebürgert wirst. Das passiert vor allem im Fall der Genehmigung der neuen Staatsbürgerschaft, bevor der Beibehaltungsantrag eingereicht und bewilligt wurde.

Möchtest du nun doch wieder deutscher Staatsbürger werden, so kannst du einen Wiedereinbürgerungsvertrag stellen. In der Regel muss dann der der dauerhafte Aufenthalt wieder in Deutschland sein, hier gibt es nur wenige Ausnahmefälle. Darüber hinaus gibt es in einigen Ländern Regelungen zur Vermeidung von Mehrstaatigkeit, entsprechend kann es sein, dass du deine ausländische Staatsbürgerschaft wieder ablegen musst. Dies ist zum Beispiel in Ländern wie Australien der Fall, im EU-Ausland und der Schweiz hast du es da leichter.

Seit 2000 ist die Wiedereinbürgerung zudem deutlich einfacher: Wenn du belegen kannst, dass du bei rechtzeitiger Antragsstellung der Beibehaltung eine Genehmigung erhalten hättest und beweisen kannst, dass du weiterhin an Deutschland gebunden bist, sollte das Recht auf deiner Seite stehen. Beachte dabei aber, dass dieser Antrag innerhalb von zwölf Jahren nach Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft gestellt werden muss.

 

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