RICHTIG BEWERBEN: DIE ERSTEN SCHRITTE ZUR KARRIERE IM AUSLAND

Ein Job im Ausland ist heutzutage aus vielen Gründen für eine große Zahl von Arbeitnehmern ein erstrebenswertes Ziel. Gleichzeitig ist es aber, je nach Wunschland, eine aufwändige Angelegenheit, überhaupt bis dahin zu kommen. Tatsächlich fängt das Abenteuer Auslandsjob schon mit den Vorbereitungen an, einschließlich der richtigen Bewerbung. Denn auch hier gilt die Devise: Andere Länder, andere Sitten.

Wenngleich der Fachkräftemangel am deutschen Arbeitsmarkt es zumindest in manchen Branchen nicht zwingend erforderlich macht, einen Auslandsaufenthalt im Lebenslauf vorweisen zu können, so ist es in anderen Berufsfeldern immer noch hilfreich, auf internationale Arbeitserfahrung hinweisen zu können. Abgesehen davon plant der eine oder andere sogar, das berufliche Engagement im Ausland zu einem dauerhaften Zustand zu machen.

Das erfordert ungleich weitreichendere Vorbereitungen, trotzdem werden all diejenigen, die nicht gerade im Rahmen ihrer bisherigen Anstellung an einen anderen Ort geschickt werden, ungeachtet ihrer Pläne ein Bewerbungsverfahren durchlaufen müssen. Grund genug, sich schon für die Bewerbung mit den unterschiedlichen Gepflogenheiten der jeweiligen Arbeitsmärkte auseinanderzusetzen.

SCHRITT 1: POTENZIELLE SCHWIERIGKEITEN UND MÖGLICHKEITEN SONDIEREN

Grundsätzlich sollte bedacht werden, dass auch auf ausländischen Arbeitsmärkten weitgehend dieselben Regeln gelten wie auf dem heimischen. Die Voraussetzungen (zum Beispiel die allgemeine Arbeitslosenquote oder ähnliche Faktoren) mögen zwar andere sein, aber trotzdem behalten bestimmte Aspekte ihre Gültigkeit. Zum Beispiel eine potenzielle Bewerberflut in Branchen und Berufsfeldern, in denen nur wenige Arbeitsplätze verfügbar sind.

Natürlich gibt es auch den umgekehrten Fall: In schnell wachsenden Branchen, wozu vor allem Maschinenbau, Telekommunikation, IT, Bildung, Medizin und Verkauf zählen, dürfte in vielen Ländern Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern bestehen. In den großen englischsprachigen Ländern – die sogenannte „Skill Shortage“-Listen führen, um Fachkräftemangel anzuzeigen – beispielsweise lassen sich durchaus Gemeinsamkeiten ausmachen, aber es gibt auch Unterschiede:

  • In Australien werden vor allem Handwerker für das Baugewerbe gesucht, daneben fehlt es in der Medizin an Ärzten und Krankenpflegern.
  • Neuseelands Baugewerbe braucht ebenfalls Handwerker, Fachkräfte für Medizin und Spezialisten für die Landwirtschaft.
  • In Großbritannien haben Bewerber vorwiegend in den Bereichen Online Marketing, IT und Telekommunikation Chancen auf eine Einstellung.
  • Auf dem kanadischen Arbeitsmarkt mangelt es an Fachkräften für Medizin, das Baugewerbe, Maschinenbau und Umwelttechnik.
  • In den USA sind Mitarbeiter in der Automobilbranche, im Maschinenbau, Medizin und auf dem Dienstleistungssektor gefragt.

Darüber hinaus gibt es Arbeitsfelder, in denen man durchaus damit punkten kann, Muttersprachler in Deutsch zu sein. Berufe, in denen es von Vorteil ist, mehrere Sprachen zu beherrschen, wären etwa klassisch die unterschiedlichen Tätigkeiten in der Tourismusbranche, aber auch der Kundendienst oder der Verkauf.  Auch wenn deine Deutschkenntnisse ein großer Bonus bei der Jobsuche sind, wird es ohne sehr gute Englischkenntnisse oder Kenntnisse in der Landessprache schwer einen Job zu sichern.

Selbst dann muss die Bewerbung immer noch gegenüber der Konkurrenz bestehen, allen voran der lokalen. Hier hilft vornehmlich eine Spezialisierung oder gefragte Qualifikation weiter. Ansonsten dürften die Personaler vor Ort verfügbare Bewerber vorziehen, weil ihnen dann kein Aufwand hinsichtlich Umzug oder Visumsfragen ins Haus steht.

Aus diesem Grund ist es manchmal mit der Jobsuche im Ausland leichter, schon eine Adresse im jeweiligen Land angeben zu können, besonders wenn ein persönliches Vorstellungsgespräch gewünscht ist und dieses nicht per Telefon- oder Skype-Interview geführt wird. Außerdem besteht so die Möglichkeit, vor Ort erste Netzwerke aufzubauen. Allerdings ist das auch ein großes Wagnis.

Schritt 2: Gepflogenheiten der schriftlichen Bewerbung beachten

Sind die Arbeitsmarktverhältnisse im Zielland erfolgversprechend, steht im nächsten Schritt die schriftliche Bewerbung bei potenziellen neuen Arbeitgebern an. Was schon in der Heimat eine bisweilen knifflige Aufgabe ist, wird auf dem internationalen Parkett nicht leichter. Denn es reicht bei weitem nicht aus, die letzte in Deutsch verfasste Bewerbung einfach Wort für Wort in die Landessprache zu übersetzen. In vielen Fällen müssen unterschiedliche Formen beachtet werden.

Bewerbungen im englischsprachigen Raum

Eine schriftliche Bewerbung in einem englischsprachigen Land weicht in mehreren Punkten von den üblichen deutschen Standards ab. Das gilt zum Beispiel für den Umfang der sich grundsätzlich auf zwei Seiten beschränkt: Das Anschreiben („Cover Letter“) und den Lebenslauf („CV“, also „Curriculum Vitae“ in Großbritannien, „Résumé“ in den USA). Ein Bewerbungsfoto wird normalerweise nicht benötigt, ebenso kann auf beigefügte Zeugnisse verzichtet werden – eine englische Bewerbung verweist stattdessen auf sogenannte „References“.

Erfreulich immerhin: Der englische Lebenslauf wird mittlerweile nach demselben Konzept aufgebaut, wie man es vom deutschen kennt. Das heißt, er beginnt ebenfalls mit der aktuellen beruflichen Station oder der letzten Anstellung. Darüber hinaus hat die Beschränkung auf maximal eine Seite einen gehörigen Vorteil. Während es im deutschsprachigen Raum darum geht, einen lückenlosen Lebenslauf vorweisen zu können oder vorhandene Lücken erklären zu können, kommt es im englischsprachigen überwiegend darauf an, die gewünschten Fachkenntnisse und Soft Skills nachweisen zu können.

Theoretisch sind Lücken im Lebenslauf dadurch legitim, dennoch müssen sich Bewerber darauf gefasst machen, spätestens im Vorstellungsgespräch darauf angesprochen zu werden. Die vermeintlich geringere Bedeutung eines vollständigen Lebenslaufs sollte deshalb nicht als günstige Gelegenheit betrachtet werden, etwaige Lücken vollkommen unter den Tisch fallen lassen zu können.

Abschließend ist ein letztes wichtiges Detail zu beachten, nämlich die zum Teil unterschiedliche Schreibweise zwischen britischem und amerikanischem Englisch. Das kann bei Nichtberücksichtigung zu Missverständnissen führen, weil die Wörter unbekannt sind oder mit einer anderen Bedeutung verwendet werden. Ausschlaggebend ist da oftmals schon ein einzelner Buchstabe.

Tipp: In englischsprachigen Ländern machen „Power Words“ (darunter fallen etwa „achieved“ oder Formulierungen wie „demonstrated ability“), anders als in den meisten anderen Ländern, durchaus Eindruck in den Personalbüros und können daher in die Bewerbung einfließen.

Bewerbungen in europäischen Ländern

Auch auf dem europäischen Festland haben sich teilweise unterschiedliche Modelle für eine schriftliche Bewerbung entwickelt. Die Abweichungen sind zwar bisweilen nur minimal, trotzdem möchte ja niemand eine Absage erhalten, weil die Form der Bewerbung nicht den Standards des jeweiligen Landes entspricht.

Spanien

Die schriftliche Bewerbung für den spanischen Arbeitsmarkt entspricht grundsätzlich der englischen Variante, was bedeutet, sie setzt sich aus dem Anschreiben und dem Curriculum Vitae zusammen. Der Lebenslauf sollte dabei auf eine Seite beschränkt bleiben, ein unbedingt einzuhaltendes Format gibt es nicht. Verzichtet wird üblicherweise auf ein Foto, aber es dürfte nicht schaden, der Bewerbung eines beizufügen, außerdem werden Anlagen wie Zeugnisse und dergleichen nur mitgeschickt, wenn es die Stellenausschreibung explizit fordert.

Frankreich

Keine großen Überraschungen erwarten Bewerber bei der Zusammenstellung ihrer Unterlagen für den französischen Arbeitsmarkt. Das Anschreiben wird wie in Deutschland üblich oben links mit den eigenen Kontaktdaten versehen, darunter folgt die Betreffzeile, die mit einem „V/Réf:“ gekennzeichnet wird. Leicht nach unten versetzt und auf der rechten Seite finden dann der Name des Ansprechpartners, des Unternehmens und die Adresse Platz.

Abgesehen vom üblichen Anschreiben und Lebenslauf kann unter Umständen noch ein „projet professionnel“ ergänzt werden, das etwas mehr Raum gibt, um Fähigkeiten, Tätigkeiten und den bisherigen beruflichen Werdegang mit einer größeren Ausführlichkeit zu schildern.

Aber: Nach wie vor hat Höflichkeit einen hohen Stellenwert in Frankreich, weswegen davon abzusehen ist, die eigene Person  allzu enthusiastisch angepriesen werden. Darüber hinaus wird genauso viel Wert auf Formalien und Stil gelegt, sowohl hinsichtlich der sprachlichen wie auch der optischen Gestaltung. Da ist Übersichtlichkeit gefragt und ein gekonnter Umgang mit der französischen Sprache.

Weniger wichtig sind hingegen Zeugnisse, weshalb diese üblicherweise nicht mitgeschickt werden. Anders sieht es mit einem Foto aus, das wiederum in der Bewerbung enthalten sein sollte.

Tipp: Es ist nach wie vor möglich, dass ein französisches Unternehmen das Anschreiben gerne handschriftlich verfasst hätte. Das geht zurück auf Zeiten, in denen der Graphologie noch eine bedeutsame Rolle bei der Beurteilung von Bewerbern zukam. Inzwischen ist die von Hand geschriebene Bewerbung zwar nicht mehr die Regel, dennoch ist unter Umständen empfehlenswert, sich vorher nach der korrekten Form zu erkundigen.

Kleinigkeiten machen den Unterschied

Wie schon diese kleine Auswahl zeigt, sind es oft Details, die den Unterschied zwischen einer Absage und der Einladung zu einem Vorstellungsgespräch ausmachen können. Meistens ist davon die Form der Bewerbung betroffen, manchmal kann aber auch die Qualität des Papiers ein Faktor sein oder nationale Eigenheiten der Rechtschreibung und Grammatik (siehe das Fehlen eines „ß“ in der Schweiz). Wer sich also ohnehin mit der Kultur seines Wunschlandes auseinandersetzt, sollte sich auch gleich darüber informieren, wie die üblichen Formalitäten rund um die Bewerbung aussehen.

 

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