Leben und Arbeiten in Spanien

Sonne, Strand und immer gutes Wetter, fröhliche Menschen, gutes Essen und Entspannung. So oder so ähnlich sehen viele Menschen Spanien. Doch was ist, wenn das südeuropäische Land nicht bloß Ziel einer Urlaubsreise werden soll? Was ist, wenn Spanien die neue Heimat werden soll?

Aufenthaltsrecht in Spanien

Durch das am 1. Januar 2005 in Kraft getretene Gesetz über die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern (§ 1 FreizügG/EU) sind Sie als Deutscher in Spanien aufenthalts- und arbeitsberechtigt. Dafür benötigen Sie seit dem 28. Januar 2013 keinerlei Freizügigkeitsbescheinigung mehr.

Als nicht erwerbstätiger Unionsbürger müssen Sie ausreichende Existenzmittel sowie ausreichenden Krankenversicherungsschutz nachweisen. Gleiches gilt für Ihre Familienangehörigen.

Für einen Aufenthalt über drei Monaten ist die Meldung im Einwohnermeldeamt erforderlich. Steuerlich gilt für alle Länder der europäischen Union die Befreiung der Doppelbesteuerung (Steuern werden im Land des Erstwohnsitzes gezahlt).

Als Deutsche/r in Spanien Karriere machen

Wer als Deutscher nach Spanien auswandert, wird schnell feststellen, dass der deutsche und der spanische Arbeitsmarkt eines gemeinsam haben: Es herrscht Fachkräftemangel. Das hängt zum einen mit den Schwächen im spanischen Bildungssystem zusammen, das oft nur mangelhafte Fremdsprachenkenntnisse vermittelt. Zum anderen ist der größte Teil der spanischen Unternehmen im Dienstleistungssektor aktiv, der, allen Krisen zum Trotz, immer stärker nach Internationalisierung strebt.

Fachkraft im Dienstleistungssektor

Dementsprechend sind hoch qualifizierte Fachkräfte hier natürlich im Vorteil. Fachkenntnisse allein sind jedoch nicht ausreichend, denn vor allem bei im Außenhandel aktiven und international agierenden Unternehmen sind sehr gute Fremdsprachenkenntnisse in den beiden Arbeitssprachen sowie verhandlungssicheres Englisch grundlegende Voraussetzungen.

Unternehmen, die im internationalen Austausch arbeiten, sind unter anderem internationale Anwaltskanzleien, sowie sonstige auf Recht spezialisierte Unternehmen, zum Beispiel im Bereich Steuerwesen. Sehr gefragt sind in Zeiten wachsender Globalisierung natürlich auch Finanzanalysten, die über fundierte Kenntnisse auf dem internationalen Devisenmarkt verfügen.

Viele international agierende Konzerne, sind grundsätzlich sehr aufgeschlossen, Mitarbeiter aus anderen Ländern anzustellen. In Spanien gilt dies natürlich besonders für spanische und deutsche Firmen, wie Santander oder die Deutsche Bank, die verstärkt auf der Suche nach deutschsprachigen Arbeitskräften sind.

Besonders vielversprechend ist der Arbeitsmarkt für deutsche Arbeitskräfte im Tourismus-Sektor, denn 2014 besuchten 10,4 Millionen deutsche Touristen Spanien (+5,7 Prozent im Vergleich zu 2013). Damit machten deutsche Touristen 16 Prozent aller Touristen und somit den drittgrößten Anteil der Besucher aus (nach Briten und Franzosen).

Umgekehrt besuchten 2,1 Millionen Spanier Deutschland. Ihr Anteil wuchs gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent.

Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft

Wie in Deutschland beklagt auch die spanische Landwirtschaft einen extremen Arbeitskräftemangel. Dementsprechend gefragt sind Berufe wie Landmaschinentechniker, Pflanzenschutztechniker und andere Fachkräfte in der Landwirtschaft (zum Beispiel Arbeitskräfte zur Ernte).

In der Lebensmittelverarbeitenden Industrie sind insbesondere Fachkräfte für Obst und Gemüse gefragt.

Wissenschaftlich-technischer Sektor

In diesem breitgefächerten Sektor werden insbesondere technisch versierte Fachkräfte im Bereich IT gesucht (EDV-Fachkräfte, Programmierer, Telekommunikationsfachkräfte, Grafik-Designer, Controller usw.). Er umfasst aber auch Tätigkeiten in den Bereichen Umweltschutz und Recycling sowie in den Bereichen Marketing und Forschung.

Handwerkliche Berufe und Selbständigkeit

Auch wer handwerklich begabt ist und eine entsprechend Berufsausbildung absolviert hat, kann in Spanien schnell fündig werden, da die Hürden für Selbständige in Spanien niedriger sind als in Deutschland.

Wer sich in einem anderen Metier selbständig machen will, hat ebenfalls gute Chancen, da 8 Prozent der spanischen Unternehmen Kleinbetriebe sind.

Insgesamt sind rund 1300 deutsche Unternehmen in Spanien aktiv. Sie organisieren sich in der Deutschen Handelskammer für Spanien, AHK Spanien.

Bildungssystem

Das spanische Bildungssystem sieht eine Schulpflicht bis zu einem Alter von 16 Jahren vor. Die Schullaufbahn eines Schülers gliedert sich in drei Abschnitte: Die „Educación primaria (vergleichbar mit der Grundschule) die sechs Jahre umfasst, die „Educación Secundaria Obligatoria“ (ESO), sowie eine zweijährige Oberstufe, die zum Erlangen des „Bachillerato“, des Abiturs, führt. Daneben kann nach Abschluss der ESO auch ein berufsbildender Zweig („Ciclo formativo“) gewählt werden.

Im Bereich der Hochschulbildung haben die meisten spanischen Universitäten mittlerweile das Bachelor/Master-System übernommen. Allerdings ist die Bologna-Reform noch nicht vollständig umgesetzt, sodass einige Universität noch das vierjährige „Grado“- und „Postgrado“-System anwenden, das einen einzigen Studiengang im Stile des Diploms vorsieht.

An spanischen Universitäten müssen im Allgemeinen Studiengebühren von ca 800 bis 1000 Euro pro Semester gezahlt werden. Für private Universitäten können deutlich höhere Gebühren anfallen.

Sprachliche und wirtschaftliche Beziehungen

Die spanische Sprache unterscheidet sich von der deutschen grundlegend, da sie ihre Wurzeln im Lateinischen und Arabischen hat. Dementsprechend schwer kann es fallen, das Spanische von Grund auf neu zu erlernen.

Um die Vermittlung spanischer Sprache und Kultur in Deutschland kümmert sich das 1991 gegründete Instituto Cervantes, das in München seinen Sitz hat, jedoch auch in anderen Großstädten wie Bremen, Frankfurt, Berlin und Hamburg vertreten ist. Hier sind gute Angebote an Sprachkurse zu finden.

Umgekehrt ist das Goethe-Institut bereits seit 1957 in Spanien aktiv.

Für Sprachanfänger empfiehlt sich in jedem Falle der Besuch eines Kurses. Im besten Falle kann dieser mit einer Sprachreise verbunden werden, was außerdem hilft, das zukünftige Wohnland besser kennenzulernen.

Solche Sprachreisen werden beispielsweise von dem Unternehmen Don Quijote  angeboten, das in den über 30 Jahren seines Bestehens neun Sprachschulen in Spanien (u.a. in Madrid, Barcelona, Sevilla, Granada, Valencia und auf Teneriffa) sowie zahlreiche andere in Lateinamerika eröffnet hat. Die Leistungen von Don Quijote umfassen nicht nur Sprachkurse, sondern auch Unterkunft und Verpflegung sowie eine Einführung in die spanische Kultur.

Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland ist für Spanien einer der wichtigsten Handelspartner überhaupt. Konkret gesprochen ist Deutschland an 1. bis 3. Stelle auf der Liste der wichtigsten Handelspartner Spaniens.

Laut der Deutschen Vertretung in Spanien betrug das Volumen des bilateralen Handels zwischen den beiden Ländern im Jahre 2014 etwa 56,8 Milliarden Euro, was eine Steigerung um 9,1 Prozent zum Vorjahr bedeutete.

Davon entfielen aus spanischer Sicht 31,9 Milliarden Euro auf Importe aus Deutschland sowie 24,9 Milliarden Euro auf Exporte nach Deutschland.

Den größten Anteil der Importe aus Deutschland machen Autos und sonstige KfZ-Teile, chemische Produkte und Maschinen aus. Umgekehrt exportierte Spanien ebenfalls am häufigsten Autos und KfZ-Teile, chemische Erzeugnisse sowie Nahrungsmittel.

Der spanische Tourismussektor registrierte insgesamt 10,4 Millionen deutsche Touristen (16 Prozent der Gesamttouristen). Nur Briten und Franzosen reisten häufiger nach Spanien. Die Übernachtungszahl spanischer Gäste in Deutschland betrug 2,1 Millionen.

Die rund 1300 deutschen Unternehmen in Spanien organisieren sich in der Deutschen Handelskammer für Spanien (AHK Spanien).

Wohnung und Gesellschaft

Eine der obersten Prioritäten vor der Auswanderung nach Spanien sollte die Wohnungssuche sein. Denn besonders wenn es in große Städte wie Madrid oder Barcelona gehen soll, sieht man sich mit einem extremen Wohnungsmangel konfrontiert. Schockieren können zudem auch die hohen Preise, die in Madrid beispielsweise deutlich über 500 Euro für eine Zweizimmerwohnung in dezentraler Lage betragen können.

Wer dagegen ein Haus kaufen will, darf sich über in den letzten Jahren deutlich gesunkene Preise freuen, insbesondere an der Costa Blanca im Südosten des Landes, wo das Wohnungsangebot sehr groß und die Preise niedriger sind.

Die Wohnungssuche sollte im besten Falle vor Ort stattfinden, da spanische Vermieter sehr viel Wert auf persönliche Begegnungen legen und als offenherzig und sehr gastfreundlich gelten.

Bei der Wohnungssuche können die Wohnungsbörsen Fotocasa, Mastermas und Tucasa helfen.

Gesellschaft

Die Spanier werden gemeinhin als sehr aufgeschlossenes und gastfreundliches Volk angesehen. Beinahe auf nichts wird mehr Wert gelegt, als auf den eigenen Freundeskreis und auf soziale Kontakte (enchufes). Die Zeit, die im eigenen Freundeskreis verbracht wird, ist fester Bestandteil des Tages und schließt etwa Besuche in Bars und Diskotheken, Ausflüge oder gemeinsames Essen und Trinken ein.

Auch als Ausländer oder Neuankömmling wird man in der Regel enthusiastisch in den Freundeskreis aufgenommen. Die Spanier gelten zudem als sehr hilfsbereit und können unterstützend zur Seite stehen, wenn es beispielsweise darum geht, sprachliche oder bürokratische Hürden zu überwinden.

Auch Spanier der älteren Generation sind oftmals sehr freundlich und weltoffen, obwohl viele davon während der Franco-Diktatur eine erzkonservative Erziehung genossen haben.

Deutsche Vereine in Spanien

Gemeinnützige deutsche Vereine in Spanien, wie zum Beispiel der weltweit aktive Verein Deutsche im Ausland e.V. unterstützen deshalb nach Spanien Reisende sowie Auswanderer in sämtlichen Bereichen, die das Organisatorische und das alltägliche Leben umfassen (Ärzte, Schulen, Bäcker, Krankenhäuser, Rechtsanwälte, etc.). Dazu haben auf dem Portal Deutsche im Ausland über 3000 deutsche Unternehmen, Vereine sowie Privatpersonen dem Portal ihre Kontaktdaten zur Verfügung gestellt.

Deutsche in Spanien

Laut dem nationalen Statistikinstitut Spaniens (Instituto Nacional de Estadística) waren zum Stichtag 1. Januar 2015 insgesamt 130.505 Deutsche in Spanien als wohnhaft gemeldet.

Doch obwohl Mallorca gemeinhin als Lieblingsinsel der Deutschen gilt, lebte nur der zweitgrößte Anteil von ihnen auf den Balearen, zu denen Mallorca gehört. Mit 30.543 Deutschen stellten die Kanarischen Inseln den größten Anteil, gefolgt von 22.210 Deutschen auf den Balearen.

Sehr beliebt bei Deutschen ist auch die Costa Blanca und insbesondere die Provinz Alicante, in der allein 19.918 Deutsche leben.

Obwohl Spanien also vielen von uns als europäischer Nachbar und als Urlaubsziel sehr vertraut erscheinen mag, kann die Realität oft ganz anders aussehen. Denn wer sich plötzlich in der Großstadtwüste von Madrid, Barcelona oder Valencia oder etwa im baskisch-sprachigen Teil Spaniens wiederfindet, kann schnell Heimweh bekommen und die Lust verspüren, sofort wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Wer nach kulturellen Aktivitäten sucht, ist am besten beim Goethe-Institut, dem deutschen Sprach- und Kulturinstitut in Spanien, aufgehoben. Hier wird regelmäßig in Form von Konzerten, Lesungen und Publikationen Kultur vermittelt.

In den sozialen Netzwerken haben sich in Spanien lebende Deutsche zu Gruppen zusammengeschlossen, die beispielsweise Deutsche in einer Stadt oder in ganz Spanien ansprechen sollen (Deutsche in Spanien, Deutsche in Madrid, Deutsche in Barcelona, etc.).

 

Über uns

Workwide arbeitet nach dem Motto „Vertrauen schaffen“. Doch damit ist keineswegs nur das Vertrauen in die neue Lebensumgebung und Kultur gemeint. Unser Ziel ist es viel mehr, junge, auswanderungswillige und erfolgsorientierte Menschen auf ihrem gesamten Weg in die neue (berufliche) Heimat zu unterstützen – vom Entschluss auszuwandern bis zum Meistern bürokratischer Hürden und der tatsächlichen Eingewöhnung an den neuen Wohnort.

Unser Ziel ist es, Sie bestmöglich bei Ihrer Vorbereitung zu unterstützen. Dazu stellen wir Informationen zu Sprachkursen, Gesellschaft und Kultur sowie Wirtschaft zur Verfügung. Wir geben Ihnen wichtige Tipps und präsentieren Ihnen die aktuellsten Job-Angebote.

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