Leben und Arbeiten in Krakau

Der generelle Aufschwung Polens nach 1990 ist auch an Krakau nicht vorbeigegangen. Die ideale Lage in der Mitte Europas und der Ruf einer der Hotspots für Kultur, Musik und Natur zu sein, hat eine Vielzahl an aufstrebenden Firmen und Start-ups angelockt. für Leute, die Kultur und wunderschöne Nationalparks mit niedrigen Lebenshaltungskosten kombinieren möchten, während sie hochkarätige Erfahrungen in internationalen Wirtschaftsunternehmen sammeln, ist Krakau die perfekte Adresse.

Arbeiten in Krakau

Jobangebote und Arbeitsmarkt

In Polen herrscht Fachkräftemangel, da viele qualifizierte Arbeitskräfte emigrieren. Daher gibt es viele Arbeitsmöglichkeiten für Gutausgebildete in einem nachgefragten Beruf. Weiterhin zeigt Polen einen stetigen Wirtschaftswachstum und eine niedrige Arbeitslosenquote auf. In Großstädten, auch in Krakau, siedeln sich zunehmend internationale Unternehmen wie Amazon, Google oder Microsoft an. Polnisch-Kenntnisse sind hierbei nicht zwingend, englische Sprachkenntnisse sind wichtiger. Deutschland und Polen hegen eine enge wirtschaftliche Beziehung, welche sich zusätzlich positiv auswirkt: Um auf dem deutschen Markt erfolgreich zu sein, suchen viele Unternehmen Mitarbeiter mit Sprachkenntnissen und Wissen über den deutschen Markt.

Shared Service Center (SSC) und Business Transformative Outsourcing (BPO) konzentrieren sich auf die Konsolidierung und Zentralisierung von Dienstleistungsprozessen eines Unternehmens. Diese Unternehmen sind immer auf der Suche nach deutschsprachigen Mitarbeitern in den Bereichen IT-Support, Kundenservice, Verwaltung und Finanyen. Führende Unternehmen in dieser Branche sind beispielsweise McKinsey & Company, Ernst & Young und PricewaterhouseCoopers. Hierbei sammelt man sehr unterschiedliche Erfahrungen, die einem später gute Jobmöglichkeiten und ein einfaches Wechseln von Firma zu Firma ermöglichen. Aber auch das internationale Klientel macht die Arbeit in SSCs und BPO attraktiv.

Bewerbungen in Krakau

Eine Bewerbung in Polen besteht, wie auch in Deutschland, aus einem Anschreiben und einem Lebenslauf. Das Anschreiben ist gleichzeitig eine Art Motivationsschreiben. Warum interessierst du dich für die Stelle? Was macht dich zum geeigneten Kandidaten? Liste im Lebenslauf alle deine Qualifikationen und Erfahrungen auf. Unter deinen Lebenslauf solltest du eine Einverständniserklärung auf Polnisch für die Verarbeitung deiner personenbezogenen Daten hinzufügen: Eine solche Erklärung ist als Standardtext im Internet zu finden, sodass du dir nicht zuerst noch Gedanken darüber machen musst, wie du das zu formulieren hast.

Arbeitsatmosphäre/ Mentalität

Bei Polen hat der Arbeitsplatz einen sehr hohen Stellenwert und die Angst vor Arbeitslosigkeit ist groß. Daher wird der Job ernst genommen und Zuverlässigkeit eine hohe Priorität zugeschrieben. Dies wird selbstverständlich auch von den Kollegen (also von dir) erwartet. Hinzu kommt die Neigung der Polen zum Selbermachen und Improvisieren, der sich ebenfalls auf Arbeit widerspiegelt. Hier wird lieber zu viel als zu wenig gemacht, auch wenn das die vertragliche Arbeitszeit überschreiten sollte. Und ganz wichtig: Führe eine Gespräche über dein Gehalt und das deiner Kollegen. Das gilt als absolutes Tabu.

Arbeitsrecht in Krakau

Das polnische Arbeitsrecht ist ähnlich wie das deutsche. Die Arbeitszeit beträgt im Schnitt 40 Stunden pro Woche. Die Probezeit am Anfang eines Jobs darf maximal drei Monate lang sein. Die Kündigungsfrist ist abhängig von der Befristung des Arbeitsvertrags und der Dauer der bisherigen Anstellung. Das Unternehmen bestimmt über die Anzahl der Urlaubstage, muss aber eine Mindestzahl einhalten. Diese beträgt bei Arbeitnehmern, die weniger als zehn Jahre beschäftigt sind, mindestens 20. Befristete Arbeitsverträge dürfen bis zu dreimal verlängert werden, die Dauer der Befristung darf allerdings maximal 33 Monate sein.

  • Probezeit:
  • bis 2 Wochen: 3 Tage
  • bis 3 Monate: 1 Woche
  • 3 Monate: 2 Wochen
  • Unbefristet:
  • bis 6 Monate: 2 Wochen
  • über 6 Monate: 1 Monat
  • 3 Jahre: 3 Monate

Möglichkeiten zum Networken

Die erste Anlaufstelle sind natürlich die Arbeitskollegen. Hier ist es wichtig, den Namenstag zu kennen, denn dieser wird in Polen genauso gefeiert, wie hierzulande der Geburtstag. Sobald du mit einem Kollegen per du bist, notiere seinen Namenstag und vergiss nicht, ihm zu gratulieren. In Polen gibt es wie in Deutschland verschiedene Vereinigungen und Interessenverbände. Eine Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, ist es also einem Verein beizutreten. Wer in Deutschland aktiv Fußball gespielt hat, wird das auch in Polen können und dabei viele Leute mit dem gleichen Hobby kennenlernen.

Leben in Krakau

Eine Wohnung finden

Wohnungsanzeigen kannst du in Tageszeitungen oder im Internet finden. Unterschätze nicht die Anzeigen in den Regionalzeitungen und inseriere ruhig selber. Im Internet findest du auch Anzeigen auf englisch oder deutsch. Solltest du einen Immobilienmakler beauftragen wollen, achte darauf, dass dieser eine Lizenz besitzt. Der Ablauf bei der Wohnungssuche mit einem Makler ist derselbe wie in Deutschland. Mietverträge sind befristet oder unbefristet, auch hier gibt es keinen Unterschied zu Deutschland. Die Kaution darf zwölf Monatskaltmieten nicht überschreiten.

Natürlich sind die Mieten in größeren Städten, also auch in Krakau, höher als beispielsweise auf dem Land. Im Vergleich zu deutschen Großstädten wie Berlin oder München, sind sie aber immer noch erschwinglich. Eine Einzimmer-Wohnung kostet im Schnitt 900 Zloty bis 2100 Zloty (ca. 215-500 EUR), Zweizimmer-Wohnungen 1100 Zloty bis 2500 Zloty (ca. 260 – 600 EUR). Maklerprovisionen betragen für Mietwohnungen in der Regel eine Monatsmiete. Es muss natürlich nicht gleich eine Wohnung sein, auch WG-Zimmer sind vor allem in größeren Städten eine Option.

Unternehmungen in und außerhalb von Krakau

Krakau ist eine moderne polnische Stadt mit westlichem Flair und Lifestyle. Hier wird alles geboten, was man von zu Hause kennt: Kinos, Einkaufszentren, Spaßbäder, Fitnessstudios. Krakau selbst ist wie ein riesiges Museum. In der Altstadt lockt die Marienkirche, das jüdische Viertel und Kazimierz, das Wawel-Schloss und der Wawelski-Drachen sowie das Schindler-Museum. Dies ist nur eine kleine Auswahl der zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Ein weiterer Pluspunkt: Alles ist in Krakau bequem zu Fuß erreichbar. Darüber hinaus ist Krakau eine grüne Stadt, mit vielen Parks und einem tollen Aussichtspunkt auf dem Kościuszko.

Internationale Gemeinschaft

Es gibt eine kleine anerkannte deutsche Minderheit in Polen, vor allem in Oberschlesien. Ferner existieren viele Vereine und Organisationen, die sich für den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch der beiden Länder einsetzen. Insbesondere die Deutsch-Polnische Gesellschaft tut sich hier hervor. Sie organisiert regelmäßig Stammtische für Deutsche. Weiterhin gibt es diverse Facebook-Gruppen für deutsche Auswanderer oder internationale Expats, beispielsweise „Deutsche in Krakau“ oder „Expats in Warschau“. Hier kann man Kontakte knüpfen und Fragen zum Leben in Polen stellen. Immer mehr Deutsche entscheiden sich, nach Polen zu ziehen. Du findest also bestimmt Gleichgesinnte!

Lebensunterhaltungskosten in Krakau

Obwohl die Lebensunterhaltungskosten in polnischen Städten höher sind als auf dem Land, sind sie unter dem deutschen Niveau. Im Schnitt kann man mit 475€ pro Monat rechnen, Miete nicht mit eingeschlossen. Lebensmittel, Restaurants, Kleidung, öffentlicher Nahverkehr, all dies ist in Krakau wesentlich günstiger als beispielsweise in Berlin. Natürlich hängen die Kosten vom persönlichen Lebensstil ab. Arbeitet man jedoch bei einem internationalen Unternehmen, verdient man recht gut, sodass ein hoher Lebensstandard locker möglich ist. Weiterhin bieten viele Unternehmen ihren Mitarbeitern Vorteile, wie zum Beispiel Zuschüsse fürs Pendeln oder Rabatte im Fitnessstudio.

Polnisch lernen

Polnisch ist im Beruf nicht überall notwendig, aber es lebt sich wesentlich leichter, wenn du die Sprache beherrschst. Wenn du also nicht nur zum Arbeiten nach Polen kommst, führt kein Weg daran vorbei, dir zumindest Grundkenntnisse anzueignen. Der Alltag wird damit wesentlich einfacher. Polnisch-Sprachkurse werden häufig angeboten, manchmal sogar von deinem Unternehmen aus. Ansonsten solltest du dich versuchen auf Englisch zu verständigen. Obwohl viele Polen in Deutschland arbeiten oder Deutsch als Fremdsprache in der Schule hatten, solltest du dich nicht auf umfassende Deutschkenntnisse der Einheimischen verlassen.

Ankommen in Krakau

Meldepflicht und andere Formalitäten

Für die Einreise brauchst du nur deinen Personalausweis oder Reisepass. Wenn du länger als drei Monate im Land leben willst, musst du dich bis spätestens 30 Tage nach Ankunft bei der zuständigen Woiwoden registrieren. Den Antrag auf diese Registrierung deines Aufenthalts musst du persönlich stellen und einen Identifikationsnachweis vorlegen – Ausweis oder Pass. Als Arbeitnehmer benötigst du einen Nachweis über eine Beschäftigung oder eine Einstellungszusage deines Arbeitgebers. Um in Polen arbeiten zu dürfen, brauchst du außerdem eine Arbeitserlaubnis. Diese kann beim Arbeitsamt beantragt werden und gilt für sechs bis zwölf Monate.

  • Polnische Botschaft in Berlin kontaktieren
  • Kontrolle der Gültigkeit von Ausweis und Pass (mindestens sechs Monate vor Ablauf)
  • Registrierung in der Woiwoden
  • Arbeitserlaubnis beim polnischen Arbeitsamt besorgen

Ein Bankkonto eröffnen

Zunächst kommst du in Polen auch mit deinem deutschen Bankkonto zurecht. Aber spätestens vor dem ersten Gehalt solltest du dann ein polnisches Bankkonto eröffnen. Das Prozedere hierfür ist nicht sehr umfangreich. Du benötigst einen Identitätsnachweis, also Ausweis oder Pass, sowie eine Adresse, an die alle Unterlagen geschickt werden. Vergleiche vorher auf alle Fälle die Konditionen verschiedener Banken, um die für dich am besten geeignete zu finden. Diese kannst du in der Regel auf der Webseite von Banken nachlesen. Ein Beratungsgespräch ist grundsätzlich nicht nötig.

Krankenversicherung in Krakau

Das polnische Versicherungssystem ist ähnlich wie das deutsche organisiert. Eine Krankenversicherung ist in Polen für Arbeitnehmer Pflicht. Die staatliche Krankenversicherung ist der Nationale Gesundheitsfonds (polnisch: Narodowy Fundusz Zdrowia – NFZ). Sobald du angestellt wirst, meldet dich dein Arbeitgeber bei der Sozialversicherungsanstalt (ZUS) an. Damit bist du dann automatisch auch bei der NFZ registriert. Der Beitrag für die Krankenversicherung wird dir vom Gehalt abgezogen. Der NFZ macht dir kostenlose und öffentliche Gesundheitsversorgung zugängig. Die ZUS kümmert sich um die Sozialversicherung, Arbeitslosenversicherung und die Krankenversicherung.

Steuern und Sozialabgaben

Neben den bereits erwähnten Versicherungen werden dir noch Steuern direkt vom Gehalt abgezogen und von deinem Arbeitgeber an das Finanzamt überwiesen. Auch in Polen gilt: Je höher das Einkommen, desto höher der Steuersatz. Die Einkommenssteuer ist im europäischen Vergleich relativ niedrig: Bei einem Einkommen von bis zu 85.528 PLN (ungefähr 19.260,92 €) zahlt man 18% Steuern, bei Gehältern darüber 32%. Am Ende des Jahres hast du auch in Polen die Möglichkeit, eine Steuererklärung einzureichen und dir damit eventuell einen Teil des Gezahlten zurückzuholen.

Hauptgründe, um nach Krakau zu ziehen

Das Leben in Krakau bietet viele Vorzüge: Die Lebensunterhaltungskosten sind niedrig, die Stadt ist voller Kultur und Historie und die Menschen sind sehr gastfreundlich. Der Arbeitsmarkt in Polen bietet für Deutsche zahlreiche Jobmöglichkeiten, teilweise sogar in internationalen Unternehmen, die ein entsprechend gutes Gehalt zahlen. Sollte dich das Heimweh packen, ist Polen nicht weit von Deutschland entfernt. Aber vermutlich werden dich eher deine Freunde und Verwandten besuchen kommen wollen! Dann könnt ihr zusammen Krakau zu Fuß erkunden, Museen besuchen, die Parks genießen und abends noch einen Absacker trinken.