Arbeitsrecht im Ausland

Bewerbung abgeschickt, Telefoninterview gut überstanden, das persönliche Gespräch souverän gemeistert und die Zusage in der Hand? Herzlichen Glückwunsch! Jetzt muss nur noch der Arbeitsvertrag unterschrieben werden und dann geht es los mit dem neuen Job. Doch es ist gar nicht so leicht alle Details des mehrseitigen Vertrags zu verstehen. Noch schwieriger wird es, wenn der neue Job in einem anderen Land ist und man keine Ahnung von den dort geltenden Regelungen hat. Wir versuchen ein wenig Licht in das Wirrwarr zu bekommen.

Arbeitsrecht – was ist das eigentlich?

Das Arbeitsrecht definiert wie die Arbeit geregelt wird und welche Rechte der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber haben (wichtig für Selbstständige: es gelten zum Teil andere Rechte). Unter dem Individualarbeitsrecht fallen z. B. Kündigungsschutz, Mindestlohn, etc. Auf der anderen Seite gibt es noch das Kollektivarbeitsrecht, dass sich mit den Arbeitsverhältnissen zwischen Gewerkschaften/Betriebsräten und Arbeitgeber/-verbände beschäftigt.

Arbeitsschutz

Dann gibt es noch den Arbeitsschutz. Der Arbeitsschutz beschäftigt sich, wie der Name schon sagt, mit dem Schutz und der Sicherheit am Arbeitsplatz. Darunter fallen z. B. Arbeitsunfälle oder auch der Gesundheitsschutz (z. B. Geräuschbelastung). Auch Mutterschutz und Jugendschutz (keine Kinderarbeit erlaubt!) fallen darunter.

Europäische Union

Es gibt Regelungen, die sind in Europa genormt, d. h. sie sollten in allen europäischen Staaten gleich sein. Diese wurden eingeführt, damit die EU Mitgliedstaaten nicht zu sehr in Konkurrenz kommen. Darunter fallen z. B. Hygienestandards in der Lebensmittelbranche oder Sicherheitsstandards in der Baubranche. Manche Arbeitsschutzmaßnahmen variieren aber.

Informationen findet man auf der offiziellen Seite der EU. Dort gibt es z. B. eine Übersicht, was in einem Arbeitsvertrag erwähnt werden muss.

Gut zu wissen

Die meisten Arbeitsplätze haben eine Probezeit. In dieser Zeit (die nicht länger als 6 Monate dauern sollte) gibt es eine Kündigungsfrist von 2 Wochen. Der Arbeitgeber und Arbeitnehmer bekommen die Gelegenheit sich besser kennen zu lernen. Fehler werden meist verwarnt, aber in Kauf genommen. Auch der Arbeitnehmer hat die Gelegenheit sich an das Unternehmen zu gewöhnen und zu testen, ob das der richtige Arbeitsplatz für einen ist.

Das Mutterschutzgesetz schützt werdende und stillende Mütter. Das heißt während der Schwangerschaft und der Stillzeit darf die Frau z. B. nicht mit chemischen Gefahrstoffen in Kontakt treten. Es besteht auch ein besonderer Kündigungsschutz, durch den eine sofortige Kündigung nicht möglich ist. Die Frau darf im Mutterschaftsurlaub kurz vor und nach der Geburt nicht arbeiten, was mit den Auswirkung der Entbindung zu tun hat. Mit Urlaub hat das nicht wirklich was zu tun. Wie lange man Mutterschaftsurlaub oder auch Elternzeit nehmen kann, variiert.

Ein rechtlich festgelegtes Einkommen ist durch den Mindestlohn vereinbart. Er kann sich auf das Stunden- oder Monatsgehalt beziehen. Diese können regional wie auch in verschiedenen Branchen variieren. Momentan schwankt er in den verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten zwischen ca. 1 Euro und 11 Euro. Einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn gibt es nicht in allen Ländern.

Auch die Arbeitszeiten können europaweit sehr unterschiedlich ausfallen. In den EU-Mitgliedstaaten hat man sich auf max. 48 Stunden pro Woche geeinigt. Es gibt mittlerweile auch flexible Arbeitszeiten mit verschiedenen Arbeitszeitmodellen, wie z. B. Teilzeit, Gleitzeit, Arbeitsplatzteilung, Sabbatical, etc. die mal mehr, mal weniger gut funktionieren.

Der Jahresurlaub beschreibt die Anzahl der Urlaubstage, die man nehmen kann, ohne Einkommen zu verlieren. Die EU schreibt ein Minimum von 20 Tagen vor. Die endgültige Anzahl der rechtlich festgelegten Urlaubstage kann von den EU-Mitgliedstaaten individuell festgelegt werden. Deutschland liegt im Durchschnitt mit 24 Tagen recht mittig im Vergleich.

Eine weltweite Übersicht zu den Bereichen Mutterschutz, Mindestlohn und Arbeitszeiten gibt die „International Labour Organization“ von der UN.

Es lohnt sich die Arbeitsrechte für das betreffende Land zu recherchieren und den Arbeitsvertrag genau zu lesen. Denn nicht alles ist in EU-Mitgliedstaaten gleich geregelt und Regelungen in Nicht-EU-Staaten können sich ziemlich von den Deutschen unterscheiden.

Generell gilt: Vor dem Auswandern sollte man sich genau über das Zielland informieren. Dazu gibt es Ratgeber im Internet, die länderspezifische und allgemeine Informationen zum Thema Auswandern anbieten.