ARBEITEN IM AUSLAND: AUSWANDERN ODER NOMADENTUM?

Fernweh packt nicht nur Abiturienten und Studenten. Auch während des Arbeitslebens drängt sich die Lust nach Entdeckung bei vielen Menschen immer stärker auf. Eine Weltreise mit dem Job zu vereinen, ist jedoch oft schwer. Zwei Möglichkeiten, Auswanderung und Digitales Nomadentum, könnten dabei helfen, die eigenen Landesgrenzen zu verlassen. Hier allerdings ist vorheriges Abwägen unverzichtbar.

Leben im Ausland: Eine weitreichende Entscheidung

Auswandern, so viel steht fest, ist mehr als eine Weltreise. Wer sein Heimatland verlässt, um anderenorts zu arbeiten und zu leben, tut das selten mit Rückkehrabsicht. Sogenannte „Expats“ jedoch gibt es viele. Sie sind mit den Bedingungen, der Mentalität oder auch der Lebensgestaltung in ihrem bisherigen Umfeld nicht zufrieden, haben sich in ein anderes Land verliebt, oder wollen irgendwo anders vollkommen neu beginnen und sich eine Zukunft aufbauen. Grundsätzlich ist das keine schlechte Idee. Fachkräfte werden überall in der Welt gesucht und auch abseits spezieller Professionen sind Angestellte aus Deutschland äußerst beliebt.

Dennoch bedeutet Auswandern in Verbindung mit der Aufnahme einer Berufstätigkeit zunächst die Suche nach einem passenden Land und anschließend einem Job. Das ist keine leichte Aufgabe, denn nur selten haben Männer und Frauen die Möglichkeit, neben ihrer aktuellen Berufstätigkeit viele Tage in die Planung ihres neuen Lebens zu investieren. Wer noch gar nicht weiß, wohin er auswandern möchte, kann sich selbstverständlich auch von den Chancen in individuellen Ländern leiten lassen und zunächst den Jobmarkt kennenlernen. Das funktioniert auch von Deutschland aus. Unterstützung bietet beispielsweise die Agentur für Arbeit mit der Zentrale für Auslands- und Fachvermittlung. Hier können künftige Auswanderer ihre Möglichkeiten weltweit oder auch in bestimmten Ländern gemeinsam mit einem Berater beleuchten und such umfassend informieren lassen.

Welche Orte am schönsten für Expats sind, ist eine schwierige Frage. Etwas Klarheit in die Sache bringen will InterNations mit seinem Report „Expat Insider“. Auch für 2017 lassen sich auf der Webseite einige Trends und Aspekte genauer beleuchten. Zu den besten Orten für Expats zählt InterNations

  • Bahrain
  • Costa Rica
  • Mexiko
  • Taiwan
  • und Portugal.

Eher schlecht weg kommen hingegen

  • Saudi-Arabien
  • Brasilien
  • Nigeria
  • Kuwait
  • und Griechenland.

Der Report beleuchtet außerdem weitere Faktoren wie Familienfreundlichkeit, Sicherheit, Kosten und das Gefühl, im neuen Land willkommen zu sein.

Wer sich für ein Land entschieden hat, sollte sich anschließend zunächst über Visa erkundigen und auf Jobsuche gehen. Arbeitgeber im Ausland lassen sich über Jobbörsen finden, es besteht in manchen Unternehmen jedoch auch die Option, sich an einen Standort in einem anderen Land versetzen zu lassen. Das wiederum erleichtert das Gesamtprojekt Auswanderung deutlich. Falls es nicht möglich ist, sich den Auslandsjob schon in Deutschland zu sichern, stehen selbstverständlich auch Bewerbungsgespräche vor Ort an. Hier sollten ausreichend Urlaubstage zur Verfügung stehen. Vor Ort können künftige Auswanderer dann Hotels oder Hostels auswählen, die möglichst zentral liegen und während ihres Aufenthaltes alle anstehenden Gespräche klug planen.

Letztlich ist das Projekt Auswanderung nach der erfolgreichen Jobsuche noch lange nicht abgeschlossen. Schließlich gilt es, den gesamten Lebensmittelpunkt, eventuell auch die Familie, umzusiedeln. Hier müssen unter anderem auch neue Schulen, ein Haus oder eine Wohnung gefunden werden und vor Ort heißt es für eine ganze Weile, sich Schritt für Schritt einzuleben. Sprachliche Barrieren sollten am besten frühzeitig vermieden werden, indem alle Beteiligten einen Kurs besuchen. So fällt die Verständigung am neuen Wohnort leichter.

 

Digitale Nomaden: Nicht für jede Lebensphase optimal

Im Vergleich zum Auswandern ist das Leben digitaler Nomaden nicht zwingend auf ein einzelnes Land beschränkt. Sie reisen um die Welt und arbeiten vor Ort. Haben sie einmal genug von Bali oder Cancun, geht es weiter und die „Zelte“ werden anderenorts aufgestellt. Daher ist diese Lebensart keinesfalls zu vergleichen mit einer kompletten Auswanderung, denn in aller Regel bleibt der Hauptwohnsitz in Deutschland bestehen.


In Co-Working Spaces treffen sich digitale Nomaden häufig.

Wer nicht auswandert und als digitaler Nomade durch die Welt reist, ist in Hostels immer unter Gleichgesinnten und Desweiteren auch immer gut und günstig aufgehoben. So gibt es zum Beispiel bei a&o Hotels und Hostels günstige Angebote für Hostels. Digitale Nomaden bilden eine stetig wachsende Bevölkerungsgruppe. Die Freiheit, auf Reisen arbeiten zu können, vor Ort von niedrigeren Lebenshaltungskosten zu profitieren und Weltreise-Feeling zu genießen, hat viele Vorteile. Natürlich gilt auch hier: Über Visa und andere Bestimmungen sollten Nomaden ebenfalls gut aufgeklärt sein. Da es sich bei diesem Lebensstil um keinen handelt, der sich leicht mit einem Angestelltenverhältnis vereinbaren lässt, sind digitale Nomaden meist selbständig. Sie arbeiten als Blogger, Autoren, Fotografen, Designer oder Berater und nutzen vor allem das Internet, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Früher oder später aber kehren die meisten Nomaden dann zurück in ihr gewohntes Umfeld.

Auch in Sachen digitales Nomadentum gibt es Plätze, die sich ganz besonders anbieten. Wirelesslife.de stellt einige hiervon vor und zeigt auf, wo sich Vorteile und Nachteile zeigen. Etwas Mut braucht es für ein Leben als digitaler Nomade in jedem Fall. Auch Berührungsängste sind nicht von Vorteil, wenn sich der Lebensmittelpunkt immer wieder verlagert. Dieses Leben ist keinesfalls für jedermann geschaffen, ermöglicht vielen Menschen jedoch die Freiheit, die sie sich wünschen.

Der individuelle Lebensstil entscheidet

Ob digitaler Nomade oder Auswanderer nun das richtige ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Wer sich mit beiden Optionen beschäftigt, wird deutliche Unterschiede erkennen. Es ist nicht empfehlenswert, diese Differenzen einfach unter den Tisch zu kehren und vorschnelle Entscheidungen zu treffen, da insbesondere die Auswanderung mit einem riesigen Aufwand verbunden ist.


Welche Option zum eigenen Leben passt, muss unbedingt definiert werden.

Daher lohnt es sich, vorab eine Liste mit Punkten zu erstellen, die entscheidend für die eigene Lebensplanung und auch die aktuelle Lebensgestaltung sind. Gibt es Kinder? Steht eine Hochzeit an? Ist ein festes Zuhause unabdingbar? Und bereitet die Vorstellung vom Arbeiten in Co-Working Spaces eher Freude oder Sorge? Erst wenn alle diese Fragen beantwortet sind und der eigene Job zum Plan passt, sollte die Planung in die nächste Runde gehen. Dann nämlich gründet die Entscheidung auf einem soliden Fundament und wird sich auch Monate später noch gut anfühlen.