Als Deutsche/r im Ausland leben und arbeiten

Als Deutsche/r im Ausland leben und arbeiten – das sollten Sie wissen!

Viele Deutsche, die aus Deutschland auswandern, sind sich sicher: Mit dem Wegziehen aus Deutschland ist man auch von all seinen (steuerlichen) Pflichten befreit. Leider ist das ein weit verbreiteter Irrtum, der im schlimmsten Falle nicht nur zu Schwierigkeiten mit dem Finanzamt, sondern auch mit der Justiz führen kann.

Wir von Workwide möchten Ihnen in der folgenden Übersicht erläutern, unter welchen Umständen Umständen Sie von der Steuerpflicht in Deutschland befreit sind. Dabei wollen wir auch einen Blick auf die Gesetzeslage werfen und insbesondere die Frage klären, was als Wohnsitz definiert werden kann und was nicht.

Wir wollen Ihnen auch helfen, teure und ärgerliche Doppelbesteuerung zu vermeiden.

Wohnsitz in Deutschland gleich Steuerpflicht in Deutschland

Ob im Ausland lebende Deutsche weiterhin in Deutschland steuerpflichtig sind, ist maßgeblich davon abhängig, ob in Deutschland weiterhin ein Wohnsitz vorhanden ist. Dabei ist es unerheblich, ob ein vorhandener Wohnsitz auch genutzt wird und ob Sie als Deutscher bei Ihrer Stadt/Gemeinde gemeldet sind.

Grundsätzlich gilt: Verfügen Sie über einen Wohnsitz in Deutschland, sind Sie mit Ihrem auf der gesamten Welt erzielten Einkommen in Deutschland und nach deutschem Steuerrecht steuerpflichtig (§ 1 Abs. 1 EStG). Dabei ist es irrelevant, ob das Einkommen aus einer beruflichen Tätigkeit oder beispielsweise durch Vermietung/Verkauf von Immobilien erwirtschaftet wird. Juristen sprechen bei diesem Steuerprinzip von der unbeschränkten Steuerpflicht.

Steuerrechtlich bedeutet ein Wohnsitz einen Wohnraum, der sich zum einen im eigenen Besitz befindet (Miete, Eigentum) und über den zum anderen verfügt werden kann.

Solange also ein Wohnraum in Deutschland gegeben ist, an dem Sie jederzeit Zuflucht suchen und über den Sie verfügen können (weil Sie den Schlüssel dazu besitzen), ist ein Wohnsitz vorhanden.

Wandern Sie dagegen aus Deutschland aus und verkaufen oder vermieten Ihre Immobilie, zu der Sie dann keinen Zugang mehr haben, ist kein Wohnsitz vorhanden und die Steuerpflicht erlischt.

Doch Achtung: Dann erzielte Miet- oder Verpachtungseinnahmen sind ebenso wie alle anderen in Deutschland erwirtschafteten Einkünfte immer noch in Deutschland zu versteuern.

Wie schon angedeutet, ist es unerheblich, ob Sie sich bei Ihrer Stadt/Gemeinde regulär abgemeldet haben oder ob Sie einen vorhandenen Wohnsitz tatsächlich nicht mehr nutzen. Entscheidend ist die Möglichkeit, über einen für Sie jederzeit nutzbaren Wohnraum verfügen zu können.

Im Übrigen können auch Ferienwohnungen- oder Häuser im rechtlichen Sinne als Wohnsitz gelten. Ebenso können eigene Zimmer/Wohnräume bei Familienangehörigen als Wohnsitz geltend gemacht werden, da auch hier die Nutzbarkeit der Räume der entscheidende Faktor ist.

Steuern im neuen Land zahlen

Verfügen Sie in Deutschland über keinen Wohnsitz mehr, erlischt damit nach auch Ihre Steuerpflicht in Deutschland (ausgenommen in Deutschland erzielte Einkünfte). Vorherrschend ist rechtlich gesehen hierbei das Territorialitätsprinzip (§ 1 Abs. 4 EStG), wonach das Gesetz des beherbergenden Landes gilt.

Ihre Einkünfte sind dann an Ihrem jeweiligen Wohnort zu versteuern. Das kann in einzelnen Fällen den Vorteil haben, dass sie weniger Steuern zahlen müssen, weil die Steuersätze sogar innerhalb der Europäischen Union zum Teil stark von einander abweichen können.

Doch wenn Sie in ein Land auswandern sollten, das nicht der Europäischen Union angehört, können Sie entscheidende Fehler machen, wenn Sie sich nicht vorab ausreichend informiert haben. Das kann Sie dann teuer zu stehen kommen.

Grundsätzlich aber gilt auch hier die Frage des Wohnsitzes. Ist ein Wohnsitz im Sinne eines jederzeit verfügbaren Wohnraumes in Deutschland vorhanden, besteht in Deutschland Steuerpflicht. Ist dies nicht der Fall, so sind Steuern nur nach dem Steuerrecht und den Steuersätzen des Wohnlandes zu entrichten.

Besonders problematisch kann die Steuerfrage für diejenigen werden, die in beiden Ländern Einkünfte erzielen. Sei es, weil sie in beiden Ländern berufstätig sind, oder weil sie über Einnahmen aus Immobilienbesitz in Deutschland verfügen. Auch das Vermögen sowie Erbschafts- und Schenkungssteuern können dem Prinzip der Doppelbesteuerung unterliegen.

Wie lässt sich Doppelbesteuerung vermeiden?

Ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der eine Besteuerung von Einkünften, Vermögen, Erbschaft und Schenkungen in mehreren Ländern verhindern soll. Eine Doppelbesteuerung wäre demzufolge dann anzuwenden, wenn unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland herrscht (weil in Deutschland ein Wohnsitz vorhanden ist), das Wohnland jedoch ebenfalls Steuern erhebt.

Die gute Nachricht: Deutschland besitzt Doppelbesteueungsabkommen mit allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie mit über hundert anderen Ländern weltweit. Eine Übersicht darüber, ob mit einem jeweiligen Land ein DBA besteht, finden Sie auf der Seite des Bundesfinanzministeriums.

Die schlechte Nachricht: Nicht immer lässt sich eine Doppelbesteuerung vermeiden. Die prominentesten Länder, die nicht über ein solches Abkommen mit Deutschland verfügen, sind die USA und Brasilien, wobei das DBA mit Brasilien erst 2005 gekündigt wurde.

Doppelbesteuerung lässt sich somit nur dann gänzlich vermeiden, wenn Ihr Wohnsitzland ein Mitgliedsstaat der Europäischen Union ist.

Neben diesen beiden Fällen ist noch ein dritter gegeben. Lassen Sie sich beispielsweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten nieder, werden die in den Emiraten gezahlten Steuern nach dem sogenannten Anrechnungsprinzip auf die in Deutschland zu zahlenden Steuern „angerechnet“, wodurch die Steuerlast sinkt.

Welche Pflichten hat mein Arbeitgeber?

Arbeitgeber in Deutschland sind verpflichtet, die Lohnsteuer für ihre Arbeitnehmer einzubehalten und monatlich, vierteljährlich oder jährlich an das Arbeitsstätten-Finanzamt abzuführen.

Diese Pflicht entfällt, wenn ein Arbeitnehmer nicht über einen Wohnsitz, regelmäßigen Aufenthalt, eine Betriebsstätte oder einen ständigen Vertreter in Deutschland verfügt, also mit anderen Worten nicht uneingeschränkt steuerpflichtig ist.

In diesem Falle fällt diese Verantwortung in den Bereich des Arbeitnehmers.

Die Sozialversicherungsbeiträge werden vom Arbeitgeber immer an die Krankenkasse des Arbeitnehmers gezahlt. Daher richtet sich die Frage, in welchem Land Sozialversicherung gezahlt wird, immer nach dem Land, indem die Krankenversicherung besteht. Mit einer Europäischen Krankenversichertenkarte (EHIC) können EU-Bürger auch im EU-Ausland weiterhin die Dienste ihrer Krankenversicherung in Anspruch nehmen. Die EHIC ist auf der Rückseite der Krankenversichertenkarte abgedruckt.

Welche Pflichten habe ich als Arbeitnehmer?

Als uneingeschränkt steuerpflichtiger Arbeitnehmer im Ausland sind Sie verpflichtet, Ihre Lohnsteuer selbst vorauszuzahlen, da dies Ihr Arbeitgeber nicht mehr für Sie übernimmt. Sie müssen dann monatlich, vierteljährlich oder jährlich Lohnsteuer an Ihr zuständiges Finanzamt zahlen.

Verfügen Sie über keinen Wohnsitz in Deutschland, behält Ihr Arbeitgeber Ihre Lohnsteuer für Sie ein.

 

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